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Die weiße Massai

D 2005. R,B: Hermine Huntgeburth. B: Johannes W. Betz, Günther Rohrbach. K: Martin Langer. S: Eva Schnare. M: Niki Reiser. P: Constantin, Avista Film. D: Nina Hoss, Jacky Ido, Katja Flint, Nino Prester u.a.
131 Min. Constantin ab 15.9.05

Culture Clash

Von Susanne Bohlmann Oft hört man von diesem Augenblick, der angeblich das ganze Leben verändern soll. Diesen sogenannten Point of no Return, diesen Moment, in dem sich in Sekunden dein Schicksal entscheidet. Manchen Menschen passiert das nie. Sie verpassen oder ignorieren ihn. Oder sie bemerken ihn und trauen sich nicht, die Konsequenzen zu ziehen. Wenn allerdings jemand diesen Moment erkennt und dann noch als Konsequenz durch ganz Afrika reisen muß, um einen Massai-Krieger zu heiraten, der in einem primitiven Wüstendorf lebt, dann ist es schön, wenn er uns davon erzählt.

In diesem Fall handelt es sich um die wahre Geschichte der Corinne Hofmann. Die gebürtige Schweizerin storniert nach einer Urlaubsreise in Kenia mit ihrem Freund den Rückflug, um den Samburu-Krieger Lemalian zu suchen. Sie findet ihn und mit ihm ein neues Leben in einer fremden Welt. In der atemberaubenden Kulisse Afrikas inszenierte Hermine Huntgeburth die Liebesgeschichte, die erstmals in einem Bestseller veröffentlicht wurde. Sehr nah und direkt erlebt der Zuschauer den Kulturschock der weißen Massai. Ruhig und bestimmt wird der Zuschauer durch die Geschichte geleitet und erhält tiefe Einblicke in das Leben ohne Strom und fließend Wasser.

Obwohl Die weiße Massai sich einzureihen scheint mit deutschen Filmen wie Nirgendwo in Afrika und Kein Himmel über Afrika, wird erst hier die Faszination eines Kontinents wirklich glaubwürdig nahegebracht. Gerade durch die Hervorhebung der kulturellen Schwierigkeiten, wird die Schönheit und Natürlichkeit dieses Landes und ihrer Bewohner in ein ehrliches und konkretes Licht getaucht. Durch die Augen einer verliebten und später verzweifelten Frau erleben wir die faszinierenden und grausamen Seiten eines ausgebeuteten und vernachlässigten Staates, in dem die Kultur einen verbitterten Kampf um das Überleben in einer modernen Welt führt. Genauso absurd wie das Bild des Massai-Kriegers in einem klapprigen Geländewagen wirkt der Aberglaube der Afrikaner, der ein Neugeborenes töten läßt. Die Frage, was richtig oder falsch ist, wird nur durch die subjektiven Augen der Hauptdarstellerin gegeben und lassen Zweifel aufkommen, ob wirklich nur die Liebe zählt.

Was bleibt, ist eine schlicht schön erzählte Geschichte, in der ein einziger Moment das ganze Leben einer Frau verändert. 1970-01-01 01:00
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