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Die Weisheit der Krokodile

The Wisdom of Crocodiles. USA 1998. R: Po-Chih Leong. B: Paul Hoffman. K: Oliver Curtis. S: Robin Sales. D: Jude Law, Elina Löwensohn, Timothy Spall u.a.
98 Min. Arthaus ab 10.6.99
Von Natalie Lettenewitsch Den Großstadtvampir hat das Kino inzwischen vielfach entdeckt und herausgefunden, daß er im Grunde ein armer Kerl ist, einsam und auf der steten Suche nach Liebe, gleichwohl zu bemitleiden, wie zu fürchten. Das hier zu bestaunende, äußerst ansehnliche Exemplar heißt Steven Grlscz, unaussprechlicher osteuropäischer Name muß natürlich sein, und wird von Jude Law verkörpert. Der manisch an menschlichen Körpersäften interessierte junge Medizinforscher könnte auch als Unterhosen-Model durchgehen; noch dazu ist er äußerst liebenswürdig und hilfsbereit, ein idealer Schwiegersohn sozusagen – wäre da nicht seine reptilische Seite, der gelegentliche Beißtrieb nämlich. Via Blut seiner weiblichen Opfer verleibt er sich deren Gefühle ein, ohne die er dahinsiechen müßte – je mehr Liebe sie für ihn empfinden, desto besser also, doch umso tragischer natürlich, sie zu töten. Darauf zielt auch der Titel, ein Francis Bacon-Zitat: das Krokodil weint Krokodilstränen, während es unvermeidlicherweise seine Opfer zerfleischt. Krokodil Grlscz trifft nach einigen enttäuschenden Damen auf die ihm an Attraktivität wie Stärke ebenbürtige Elina Löwinson, Hal Hartley-Fans wohlbekannt und vor einigen Jahren in Michael Almereydas überlangem Gruft-Videoclip Nadja selbst eine Vampirin. In Gestalt der Bauingenieurin Anna Levels bringt sie ihm die intensivsten Gefühle entgegen, jedoch auch die größte Willenskraft. Und muß ihrerseits schlußendlich töten, was sie liebt, um selbst zu überleben. Keine Erlösung.
Das alles in sehr gestylten, insgesamt erstaunlich hellen Bildern, ohne die übliche gotische Düsternis.

Das übernatürliche Element ist nur sehr dezent gehalten, eher metaphorisch angedeutet denn manifest ausgespielt. Po-Chih Leongs Vampir-Version hält sich mit phantastischen Special-Effects zurück und gibt sich dafür betont philosophisch, speziell in teilweise etwas geschwätzigen Dialogen über das Nebeneinander von Gut und Böse, die der Protagonist mit seinem Verfolger, einem zum Katholizismus konvertierten Polizisten pflegt. Trotz derlei geistvollem Anspruch ist Die Weisheit der Krokodile vor allem eines: hübsch anzusehen. 1970-01-01 01:00
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