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Washington Square

USA 1997. R: Agnieszka Holland. B: Carol Doyle. K: Jerzy Zielinski. S: David Siegel. M: Jan A. P. Kaczmarek. P: Caravan Pictures, Alchemy Filmworks. D: Jennifer Jason Leigh, Albert Finney, Ben Chaplin, Maggie Smith u.a.
115 Min. Prokino ab 2.4.98

Das häßliche Entlein

Von Björn Marquardt Die Geschichte ist einfach: New York, 19. Jahrhundert. Die etwas zu temperamentvolle und leider unattraktive junge Catherine Sloper, Tochter eines reichen und angesehenen Arztes, verliebt sich in den blendend aussehenden, aber hoffnungslos verarmten Townsend. Ihr Vater ist gegen die Heirat, hält er den Liebhaber doch für einen Erbschleicher. Daß er seine Tochter auch gar nicht so recht leiden kann, liegt mitunter daran, daß bei ihrer Geburt die Mutter zu Tode kam und er sie sowieso für dümmlich hält. Während einer monatelangen Reise, auf der Dr. Sloper sich von seiner Tochter begleiten läßt, damit sie sich den Flieres endlich aus dem Kopf schlägt, reift Catherine zu einer selbstbewußten Frau heran. Sie entschließt sich nach der Rückkehr, ihren Liebsten zu ehelichen, auch ohne die Zustimmung des Vaters und ohne sein Geld. Doch irgendwie scheint Townsend von dieser Idee gar nicht begeistert…

Wem die Story wie Kolportage vorkommt, sollte sich schämen. Die Romanvorlage stammt nämlich von Henry James, bekannt für fein nuancierte Bilder und psychologisch hochdetaillierte Charakterzeichnungen. Regisseurin Agnieszka Holland, die schon mit Total Eclipse ein Händchen für schwierige Charaktere bewies, hielt sich viel strenger als William Wyler bei Die Erbin an die Vorlage (und tatsächlich gibt Jennifer Jason Leigh die Catherine überzeugender als Olivia de Havilland) und liefert handwerklich Solides ab: eine unaufdringliche und einfühlsame Kamera, die detailverliebte Ausstattung, das atmosphärisch geschickt eingesetzte Licht und ein gutes Casting. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
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