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Was das Herz begehrt

Something's Gotta Give. USA 2003. R,B: Nancy Meyers. K: Michael Ballhaus. S: Joe Hutshing. M: Hans Zimmer. P: Waverly. D: Jack Nicholson, Diane Keaton, Keanu Reeves, Frances McDormand u.a.
128 Min. Warner Bros. ab 12.02.04

Die Pubertät des Alters

Von Thomas Warnecke »Zum Schluß wird der Mensch weise, weinerlich und religiös«, hat Robert Gernhardt geschrieben. Wir können von Glück reden, daß Jack Nicholson mit seinem Auftritt in Was das Herz begehrt nur ganz selten Weisheit verbreitet bzw. dieser mitnichten von solcher zeugt und daß Religiöses keine Rolle spielt, denn sonst wäre er seinem Ende bzw. »Schluß« näher, als wir es seinem Aussehen glauben wollen, so weinerlich ist er – und nicht nur er – hier zu sehen.

Dabei wirkt gerade sein Geheule, als er »erkennt«, wie schön doch die Liebe unter gleichaltrigen Alten sein kann, so aufgesetzt und unglaubwürdig, daß ernsthafte Zweifel an den Fähigkeiten eines der größten Darsteller Hollywoods aufkommen. Natürlich passen die unfreiwillig falschen Tränen ganz ausgezeichnet zu diesem Film in dem auch sonst nichts stimmt.

Es ist kein Nachteil, wenn von Anfang an klar ist, wie die ganze Chose enden wird, doch hätte sich die Autorin und Regisseurin für die Zeit dazwischen gerne etwas einfallen lassen dürfen. Gut, es gibt Diane Keaton von vorne ganz kurz und Nicholson von hinten etwas länger nackt zu sehen, doch sind das schon die einzigen Abgründe, in die der Film blickt.

Statt dessen jede Menge sogenannt Zwischenmenschliches: Keaton und Reeves beim Dinner, Frauenplausch in der Küche, Keaton und Nicholson am Strand usw. Konfektionscharaktere sprechen Konfektionssätze; sie behaupten, verliebt zu sein, ein Stück zu schreiben, eine Erektion zu haben und sogar, Viagra zu nehmen. Zu sehen ist von alledem nichts.

Geschwafel und Musikeinsatz lassen beim Filmfreund den Verdacht und damit Übelkeit aufkommen, Nancy Meyers habe eine ganz bestimmte nationale Kinematographie zum Vorbild gehabt, die hier zum dialoglastigen Klischee verkommt: Pausenlos und mit brummender Dämlichkeit wird »Frankreich« als Metapher heiter-unbeschwerter Lebensart bemüht, »Que reste-t-il de nos amours« plätschert dazu wehrlos Charles Trenet aus der Konserve, und Nancy Meyers entblödet sich nicht, den spätestens nach der Hälfte ohnehin nur zähen Fluß der von Anfang an lendenlahmen Handlung doch tatsächlich in Paris verenden zu lassen. Alle, die »lendenlahm« machomäßig finden, sollen halt den Unfug nachplappern, den Frances McDormands Feminismusforscherin (!, sehnsüchtig denkt der Rezensent an Denise Richards' Atomphysikerin in Die Welt ist nicht genug zurück) bei Tisch von sich gibt.

Wenn Jack Nicholson in Was das Herz begehrt gelegentlich seine Zähne zeigt, ist das allenfalls eitles Selbstzitat. Besser wär's gewesen, er hätte sie ab und an herausgenommen. 1970-01-01 01:00
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