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War'n Sie schonmal in mich verliebt?

D 2005. R,B: Douglas Wolfsperger. K: Igor Luther. S: Jean-Marc Lesguillons. M: Haindling. P: Icon Film.
89 Min. GMfilms ab 12.1.06

Adi & Siggi

Von Thomas Warnecke »War'n Sie schon mal in mich verliebt« ist der Titel eines Kabarett- oder vielmehr Cabaret-Songs, den Max Hansen Ende der 20er Jahre selbst geschrieben und erfolgreich im »Kabarett der Komiker« gesungen hat. Darin gibt es eine Strophe, die es dem Sänger ratsam erscheinen ließ, noch 1933 Deutschland zu verlassen: »Hitler und der Siggi Cohn kennen sich seit Jahren schon. / Eines Tages ging'n sie aus, miteinand' ins Hofbräuhaus. / Doch schon bei der fünften Maß werden Hitlers Augen naß. / Er umarmt den Siggi Cohn und stottert blaß: Warst du schon mal in mich verliebt, das ist das schönste, was es gibt?« Auch bei Max Hansen selbst gab es wohl Spekulationen um sexuelle Präferenzen, allerdings überwiegt bei denjenigen, die in Douglas Wolfspergers Film zu Wort kommen, die Erinnerung an seinen famosen Erfolg bei den Frauen.

Es geht sehr privat zu in diesem Film über eine typische Karriere der 20er und 30er Jahre – Max Hansen ist mehr oder weniger dem Vergessen anheimgefallen, und das Beste an diesem Film ist, daß er sich nicht aufführt, als könne er daran allzuviel ändern. Vielmehr schaut er ein paar Menschen – seinen Kindern, alten Verehrerinnen und Brigitte Mira – dabei zu, wie sie sich an Hansen erinnern. In ihrer Präsenz spiegelt sich Hansens Ausstrahlung wieder, und das genügt dem Film auch insofern, als daß er auf Namens- oder sonstige formatfernsehtypische Einblendungen (»Sohn«, »war mal mit Max Hansen essen« usw.) verzichten kann. Diese intime Atmosphäre bildet einen sanften Kontrast zum Leben des Publikumslieblings, der selbst auf Familienfotos für die Öffentlichkeit posiert. Die Nazis folgen nicht nur dem Komiker, sondern mehr noch dem Halbjuden überallhin. Hansen flieht nach Wien, wo ausgerechnet er Zarah Leander erstmals für eine deutschsprachige Rolle vorschlägt, nach dem »Anschluß« dann nach Dänemark, das Land seiner Mutter. Als die Deutschen auch dort einmarschieren, ermogelt er sich einen »Ariernachweis«; trotzdem betritt er nie wieder deutschen Boden.

»Keep Smiling – Die Angst des Max Hansen« sollte der Film ursprünglich heißen, und nach den vielen geschminkten und freundlich lächelnden Ufa-Auftritten, bei denen sich dem heutigen Betrachter die Faszination Hansens nicht mehr unbedingt erschließt, ist der auf Dänisch dargebotene Song von der Angst, die bleibt, die beeindruckendste Originalaufnahme, die Wolfsperger zeigt. Die Idee zu dieser Dokumentation geht auf Michael Lentz zurück, als Kritiker und Drehbuchautor jahrzehntelang Wegbegleiter des Neuen Deutschen Films, der 2001 starb und dem der Film gewidmet ist. Der Film versucht, woran Opas Kino der 50er kein Interesse hatte: Max Hansen dem deutschen Film wiederzugewinnen. Seine Kinder spielen mit, allerdings distanziert – sie sprechen meist dänisch. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
© 2012, Schnitt Online

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