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Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen

Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit. GB 2005. R,B: Nick Park, Steve Box. B: Mark Burton, Bob Baker. K: Tristan Oliver, Dave Alex Riddett. S: David McCormick, Gregory Perler. M: Julian Nott. P: Aardman Features, DreamWorks Animation.
85 Min. UIP ab 13.10.05

Das Gemüse-Monster

Von Frank Brenner Kinder spielen gerne mit Knet, weil sie damit ihrer Kreativität freien Lauf lassen und aus einem nichtssagenden Klumpen bunter Masse im Handumdrehen eine Figur machen oder diese wieder zerstören können. Die Aardman-Studios spielen seit Jahren professionell mit Knet und machen damit sogar jede Menge Knete. Ihren überaus witzigen Filmen mit Figuren aus Plastilin (so heißt der Knet der echten Profis) war bisher nicht nur ein sensationeller Erfolg an den Kinokassen beschert, sondern brachte seinen Machern auch schon etliche Oscars und andere wichtige Filmpreise ein. Am bekanntesten dürften ihre drei Kurzfilme mit dem skurrilen Erfinder Wallace und seinem stoisch alle Absonderlichkeiten seines Herrchens ertragenden Hund Gromit sein. Doch auch mit ihrem ersten Langfilm, Chicken Run, bewiesen die Aardman-Magiere, daß ihr Atem spielend für einen 90-Minüter ausreicht.

Deswegen erleben Wallace und Gromit nun endlich ihr erstes Spielfilmabenteuer. Die beiden sind die erfolgreichsten Schädlingsbekämpfer ihres kleinen Dörfchens, das sich kurz vor dem jährlichen Gemüsewettbewerb insbesondere gefräßiger Karnickel erwehren muß. Die überaus tierfreundlichen Methoden der beiden Helden ermöglichen es, die Gärten ihrer Kunden kaninchenfrei zu bekommen, ohne den kleinen Nagern dabei ein Haar zu krümmen. Als jedoch ein gut gemeintes Experiment von Wallace fehlschlägt, sucht ein gewaltiger Riesenhase die Landschaft heim, der unbedingt unschädlich gemacht werden muß, um die anstehende Preisverleihung nicht zu gefährden.

Wie schon in Chicken Run erweisen sich Nick Park und sein Team auch hier wieder als Meister der Filmparodie und der gelungenen Zitate. Wurden vor Jahren vornehmlich Ausbrecherfilme à la The Great Escape der tierischen Travestie unterworfen, müssen dieses Mal klassische Grusel- und Horrorfilme wie King Kong oder die Universal-Schocker der 30er Jahre dran glauben. Die Anspielungen und Querverweise sind so mannigfaltig, daß dem Zuschauer beim einmaligen Anschauen sicherlich so einiges entgehen dürfte.

Auch wenn man nicht erkennt, daß selbst Gromits genervtes Augenrollen beim Ertönen der Schmonzette »Bright Eyes« von Art Garfunkel ironische Hintergründe hat, wird man in diesem kurzweiligen und überaus rasanten Familienfilm richtig viel zu lachen haben. Dafür sorgt nicht zuletzt die bis in die Details stimmige Inszenierung von Park und Steve Box, deren sorgfältig erarbeitete Dramaturgie so manchem Realfilmregisseur noch ein hilfreiches Vorbild sein könnte. Von den vielfältigen Kameraeinstellungen, den witzigen Figurenzeichnungen und dem perfekten Ablauf der flüssigen Stop-Motion-Animation bis hin zu einer Story, die vor Situationskomik und feinem Dialogwitz nur so strotzt, gibt es hier absolut nichts zu bemängeln. Nur schade, daß die Aardman-Studios aufgrund ihres Perfektionismus nur alle paar Jahre einmal einen Film ins Kino bringen. 1970-01-01 01:00
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