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Walk on Water

Lalecet Al Haimam. IL 2004. R: Eytan Fox. B: Gal Uchovsky. K: Tobias Hochstein. S: Yosef Grunfeld. M: Ivri Lider. P: Lama Productions. D: Lior Ashkenazi, Knut Berger, Caroline Peters, Carola Regnier u.a.
104 Min. Arsenal ab 28.4.05

Tod als Geschäft

Von Ekkehard Kern Schüleraustauschprogramme und Filme sind vielleicht die effektivsten Arten, jungen Israelis und Deutschen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und auf diesem Wege eine neue Basis des freundschaftlichen Miteinanders aufzubauen.

Eytan Fox' dritter abendfüllender Spielfilm ist ein gelungenes Stück modernes Kino – unterhaltsam inszeniert und doch in Aussage und Symbolik sich der Schwere des behandelten Themas bewußt.

Eyal ist Geheimagent beim israelischen Mossad. Der Tod ist sein Geschäft, könnte man sagen. Nachdenken muß er nicht mehr. Und das ist seine Stärke. Und zugleich seine größte Schwäche. Denn er hat nichts mehr, woran er glaubt. Erst der neue Auftrag der Eliminierung des Altnazis Alfred Himmelmann wird für Eyal zur Reise zu sich selbst. Daß Axel, der Enkel des Gesuchten, nach Israel reist, um seine seit Jahren in einem Kibbuz lebende Schwester zu besuchen, kommt da gerade recht. Als Fremdenführer getarnt, lernt Eyal den aufgeschlossenen und fröhlichen Deutschen kennen, der den vom Leben enttäuschten Agenten fortan mit seiner impulsiven und interessierten Art fasziniert. Interessant und von Bedeutung ist die Tatsache, daß beide Protagonisten nicht unbedingt als Repräsentanten ihres jeweiligen Heimatlandes zu sehen sind. Warum Axel allerdings unbedingt schwul sein muß – bleibt unklar.

Während Eyals folgenden Aufenthalts in Berlin haben die beiden dann – etwas plakativ – noch mit einer Gruppe unbelehrbarer Neonazis zu tun, bevor der alte Himmelmann doch tatsächlich auftaucht. Und da wird selbst dem durch die sichere Distanz zur Leinwand geschützten Zuschauer mulmig, wenn im Kerzenlicht der eigenen Geburtstagstorte ein Mann durch die Tür schreitet, der so viel Leid unter die Menschen gebracht hat.

Das folgende Ende des Films ist ein gut gewähltes. Konsequent und ehrlich. Eben so wie der ganze Film, dem es gelingt, auf erfrischend unpolitische Weise den Menschen näher zu kommen. Und das ist das Einzige, das wirklich zählt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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