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Von Frau zu Frau

USA 2007. R: Michael Lehmann. B: Karen Leigh Hopkins, Jessie Nelson. K: Julio Macat. S: Paul Seydor, Troy Takaki. M: David Kitay. P: Universal Pictures, Gold Circle Films. D: Diane Keaton, Mandy Moore, Gabriel Macht, Tom Everett Scott u.a.
101 Min. Warner ab 2.8.07

Schmeiß’ die Mama aus dem Film!

Von Maike Schmidt Immer wenn ich meine Mutter besuchen fahre, dann ist es ganz klar, daß wir zusammen mindestens einmal in die Stadt fahren und shoppen. Das ist nicht nur bestimmt durch die unumstößliche Meinung meiner Mutter, daß ich mir selbst das nie leisten könnte und ich daher so rumlaufe, wie ich rumlaufe, sondern es ist auch ein Akt der Zusammengehörigkeit, der Mutter-Tochter-Beziehung, die sich durch gemeinsame Aktivitäten definiert. Dieses weiblich-archaische Ritual hat seine ganz eigene Struktur, die sich durch drei spezifische Phasen bestimmen läßt. Am Anfang steht Freude und Lust, man ist ein bißchen aufgeregt und durchweg optimistisch gestimmt – immerhin geht’s hier um neue Klamotten. Zwei bis drei Stunden später hat sich der fröhliche Optimismus in leichte Hysterie gewandelt, die weitere zwei Stunden später in blankem Haß endet, mit dem Wunsch, sich in der Umkleidekabine mit einem der absurden Oberteil-Vorschläge meiner Mutter zu erhängen.

Warum ich das erzähle? Weil jeder, dem dies irgendwie bekannt vorkommt, sich genau so den Film Von Frau zu Frau vorstellen sollte. Was am Anfang wie eine luftig-leichte Komödie mit durchaus sympathischen Figuren erscheint, ist am Ende nur noch unerträglich nervig. Diane Keaton spielt eine Glucke, wie sie im Buche steht, die ihre Töchter bevormundet und Einmischung als Lebensprinzip gegen die Einsamkeit praktiziert. Dies wird genauso lästig in Szene gesetzt, wie es nunmal ist, was dem Film aber leider nicht den gewünschten Wiedererkennungswert gepaart mit lachendem Nicken einbringt, sondern den ganz klaren Wunsch, das Kino zu verlassen. Dies liegt aber nicht an der Tatsache, daß die Keaton die meiste Zeit des Films kreischend und schreiend zu sehen ist (was tatsächlich als Highlight zu bezeichnen ist), sondern vielmehr daran, daß das Drehbuch eine einzige Vorhersage ist und die Figuren schablonenhafte Stereotype beschreiben, wogegen die im Grunde recht angenehm-spritzigen Dialoge leider nicht gewinnen können.

Die Mutter-Tochter-Beziehung bleibt also reines Klischee, welches angefangen von typischem Geplänkel grundlegender Einmischungsszenarien der Mutter in das Leben der Tochter über obligatorische Verletzungsmomente, die den dramatischen Höhepunkt des Films zeichnen, in der Erkenntnis endet, daß jede Tochter im Grunde wie die eigene Mutter ist, man daran nunmal so gar nichts ändern kann und sich daher ebenso gut wieder vertragen und weitermachen kann wie zuvor.

Und so werde auch ich beim nächsten Besuch meiner Mutter auf ein Neues unsere Beziehung per Shopping stützen, eben weitermachen wie zuvor, wobei hier das Ergebnis durchweg befriedigender ausfallen wird, als es der Film schaffen konnte. 1970-01-01 01:00
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