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Vom Himmel hoch

Quand tu descendras du ciel. F 2003. R,B: Eric Guirado. K: Thierry Godefroy. S: Ludo Troch, Christian Cuilleron. M: Philippe Poirier, Sylvain Freyermuth. P: Harpo Films, Rhone--Alpes Cinema u.a. D: Benoît Girot, Serge Riaboukine, Jean-François Gallotte, Ludmilla Ruoso u.a.
95 Min. Kairos ab 16.12.04

Weihnachtliche Rückkehr aufs Land

Von Jutta Klocke Hoch vom Himmel her nähert sich die Kamera der verlotterten Farm irgendwo in der französischen Provinz, bis sie auf Augenhöhe bei dem jungen Bauern Jérôme angelangt ist. Und so zufällig sie auf ihn stößt, als er in die Stadt aufbricht, zu einem Job, der den Erhalt des Familienhofs sichern soll, so unbemerkt zieht sie sich am Ende wieder zurück, den Blick freigebend über die winterlichen Felder, in die Jérôme heimgekehrt ist.

Eric Guirado bewahrt die Dezenz, die in dieser Annäherung und Abkehr liegt, sein gesamtes Spielfilmdebüt hindurch. Stilistisch paßt er sich damit seinem Protagonisten an, dessen ruhiges Wesen den Rhythmus des Films bestimmt. Einen zurückhaltenden Helden hat Guirado, gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller, geschaffen. Die Gleichzeitigkeit von schüchterner Naivität und neugieriger Offenheit vermittelt Benoît Girot entwaffnend natürlich. Schwach erscheint Jérôme nur aufgrund seiner gutmütigen Unbeholfenheit. »Werd' erwachsen«, rät ihm der Freund der Schwester, zu der er jahrelang keinen Kontakt hatte. Dabei ist es gerade seine naive Wahrnehmung der urbanen Fremde, die ihn reifer, mutiger handeln läßt als die Städter, die sich längst in die Einsamkeit und Anonymität ergeben haben. So kommt auch das schnoddrige »Lebe du dein Leben und laß mich das meine leben« seines neuen Freundes, des Obdachlosen La Chignole, zu spät. Jérôme hat sich schon längst eingemischt – ausgerechnet er, der Verlorene, gibt dem Leben derer, zu denen er in Beziehung tritt, eine positive Wendung.

Die Erzählung verbindet leichtfüßig sozialkritischen Kommentar und persönliches Porträt. Thierry Godefroy steuert dazu die entsprechenden Bilder bei. Selbst in der verregnet-kalten Stadt spürt er noch warme Farben und lichte Orte auf, um das dokumentarische Moment mit dem subjektiven zu durchbrechen. In Schönmalerei kippt der Film aber nie, weshalb die weihnachtliche Rückkehr aufs Land auch ohne rieselnde Schneeflocken ein versöhnliches Ende birgt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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