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Vitus

CH 2006. R,B: Fredi M. Murer. B: Peter Luisi. K: Pio Corradi. S: Myriam Flury. M: Mario Beretta. P: Vitusfilm GmbH. D: Teo Gheorghiu, Julika Jenkins, Urs Jucker, Bruno Ganz u.a.
100 Min. Schwarz/Weiß Filmverleih ab 21.12.06

Der Weg ins Nichts

Von Maike Schmidt Zu Beginn ein Eingeständnis meinerseits: Von dem im folgenden zu berichtenden Film weiß ich nicht mehr sehr viel. Trotz Notizen und obwohl die Filmschau nicht wirklich lange her ist, existieren in meinem Kopf ganz peripher einzelne Bilder, die langsam unter einer darnieder sinkenden Nebelwand zu verschwinden drohen. Was ist passiert? Wo ist der Film hin?

Das kennt wohl ein jeder von uns. Man geht voller Vorfreude ins Kino, weil einen der Plot interessiert, ein Schauspieler, den man sehr verehrt, mitspielt oder die bisherigen Filme des Regisseurs durchaus und vollkommen überzeugt haben – oder man gerade nichts besseres zu tun hat. Und dann sitzt man da, anderthalb Stunden, der Film plätschert vor sich hin, man ist auch durchaus bei der Sache – Anfang, Plot Point 1, Plot Point 2, Höhepunkt, Ende, Aus – Licht an. Man steht auf, verläßt den Saal, steht vorm Kino und fragt sich präventiv die auf jeden Fall kommende Frage, wenn man erwähnt, daß man den Film gesehen hat: Wie war's denn nun? Tja, hm. Ganz nett und tat auch gar nicht weh, Bruno Ganz war wie immer souverän, aber ansonsten…

Vitus ist leider auch einer dieser kleinen, netten Filme, die einen aus dem Dunkel entlassen ohne wirkliche Meinung. Man darf auch noch nicht mal sauer sein, denn blöd war's ja durchaus nicht. Das, was einen Rezensenten unglaublich unbefriedigt läßt, schafft dieser Film in voller Länge. Meinungslosigkeit ist dann wie ein Todesurteil für den Film. Denn man möchte (und sollte) nicht, aus lauter Höflichkeit und weil man ja eben nicht sauer ist, plötzlich in positive Höhenflüge ausarten. Das bringt niemandem etwas. Genauso wenig aber scheint ein Verriß zu funktionieren, denn den hätte der Film nicht verdient. Es war ja durchaus eine nette Angelegenheit – auch wenn man weiß, daß dies einer der Filme ist, über die man in zwei Jahren, hört man den Titel, sehr lange nachdenken muß, um sich zu erinnern, worum es in Gottes Namen noch mal ging. Daher hier eine kleine Gedankenstütze, bevor auch das letzte Bild aus meinem Kopf verschwunden ist und ich irgendwann strikt behaupten werde, den Film nicht gesehen zu haben:

Vitus ist hochbegabt mit sehr ehrgeizigen Eltern, die alles daransetzten wollen, daß aus dem Jungen was wird. Doch Vitus hat andere Pläne, will ein ganz normaler Junge sein; er träumt vom Fliegen, baut mit seinem Großvater aus Holz Flugzeuge und ist zum ersten Mal verliebt. So faßt Vitus einen Plan, er stürzt sich vom Balkon des elterlichen Hauses, tut sich fast gar nicht weh, hat aber danach seine Begabung verloren. Nun ist er ein ganz normaler Junge – jedenfalls für seine Umwelt, denn als Vitus bemerkt, daß die Firma seines Vaters dem Bankrott nahe ist, muß er seine schlauen Gehirnwindungen wieder in Gang setzten und retten, was zu retten ist. So weit, so gut.

Kleiner Junge will sein wie alle anderen, ein weiser Großvater und Eltern, die geläutert werden müssen – durchaus Potential für ein kolossales Drama sowie für eine Komödie oder eben – wie in diesem Fall – Stoff für einen nicht tiefgehenden, nicht langweiligen, nicht ergreifenden, aber auch nicht störenden Film, der im Grunde genommen so vieles nicht ist, daß am Ende kaum etwas übrig bleibt. Auch keine Bilder mehr im Kopf. Schade. 1970-01-01 01:00
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