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Virus

USA 1999. R: John Bruno. B: Chuck Pfarrer, Dennis Feldman. K: David Eggby. S: M. Scott Smith. D: Jamie Lee Curtis, William Baldwin, Donald Sutherland, Joanna Pacula.
100 Min. UIP ab 20.5.99

Action-, Fantasy-, Horror-, Science-Fiction Genre

Von Natalie Lettenewitsch Die Angst der Menschen vor den Maschinen läßt sie immer wieder kreative Blüten treiben. Eine neue Materialschlacht zum Thema liefert frisch aus Hollywood John Bruno: der hat bei James Cameron gelernt, und sein Erstling scheint denn auch wie ein hybrides Monster aus dessen Kreationen, irgendwo zwischen Aliens und The Abyss, Terminator und durchaus auch ein bißchen Titanic. Von letzterem Großprojekt hatte sich Bruno, vormals höchst erfolgreicher Special effects-Designer, als Zulieferer verabschiedet, um dieses eigene Regievorhaben zu verwirklichen. Dabei gefördert hat ihn Starproduzentin und Cameron-Exfrau Gale Ann Hurd, die mit ihrem Gatten einst maßgeblich an der (Weiter-)Entwicklung eines Genres beteiligt war, zu dem auch dieser Film gehört – eigentlich eher eine Genre-Kreuzung, aus Actionfilm und Fantasy (respektive Horror und ScienceFiction). Auf mindestens eine starke Alibi-Heldin in der Männerrunde scheint sie stets zu achten: hier Jamie Lee Curtis, neben Sigourney Weaver und Linda Hamilton die dritte im Bunde Cameron-erprobter Hollywood-Actionfrauen.

Bis in die Nebencharaktere erinnert das Konstrukt besonders an Alien, mit einer wesentlichen Verschiebung: die Protagonisten befinden sich auf keinem Raumschiff, sondern auf einem irdischen Schiff im pazifischen Ozean, und das Alien kommt aus dem Weltall herab zu ihnen auf die Erde. Lange nach Ende des Kalten Krieges, der die Amis holzhammermetaphorische SciFi-Streifen wie Invasion from the Red Planet ersinnen ließ, haben sie immer noch oder schon wieder Angst vor den Russen: Startrampe des Bösen ist ausgerechnet die Raumstation Mir. Im Cyber-Zeitalter ist das Monster zunächst mal gar nicht körperlich greifbar, sondern nur »Energiemasse«. Die bemächtigt sich der Computer eines russischen Forschungsschiffes, welches mit der Mir in Funkverbindung steht, vernichtet die Besatzung und baut sich an Bord diverse Killer-Roboter zusammen. Die amerikanische Crew der in Seenot geratenen »Sea Star«, welche auf dem verlassenen Schiff Zuflucht sucht, wird dafür nacheinander zu organischen Ersatzteilen verwurstet.

Der Titel Virus, ein in der Datenverarbeitung mittlerweile ebenso gebräuchlicher Begriff wie in der Medizin, drückt zum einen die Ambivalenz Mensch-Maschine vortrefflich aus; zum andern verkehrt er die Perspektive des Betrachters, indem das Wort im Film nicht die Bedrohung bezeichnet, sondern das bedrohte Identifikationsobjekt: den Menschen nämlich. Wie das elektronische Alien seinen Opfern per Bildschirmdialog erklärt, ist der nämlich nichts als ein störender und daher auszuschaltender Virus. Diesen Menschheitsalptraum, irgendwann von perfekten und allmächtigen Maschinen als Unsicherheitsfaktor eingestuft und vernichtet zu werden, hat John Bruno in einen kruden Hollywood-Mainstream gepackt, der mitunter naiv bis haarsträubend anmutet. Trotzdem oder gerade deswegen mag ihn, wer will, sozialpsychologisch aufschlußreich finden – oder sich einfach nur einigermaßen spannend unterhalten bzw. von diversen netten biomechanischen Ekelspielchen erfreuen lassen. 1970-01-01 01:00
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