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Die Villa

Up At the Villa. USA 2000. R: Philip Haas. B: Belinda Haas. K: Maurizio Calvesi. S: Sandy Morse. M: Pino Donaggio. P: Intermedia Films, Mirage, October Films, Universal. D: Kristin Scott Thomas, Sean Penn, Anne Bancroft, James Fox, Jeremy Davies u.a.
115 Min. UIP ab 15.6.00
Von Manuela Brunner Toskana – das hat einen schweren und ruhigen Klang, der so gar nicht zur lebhaften Lebensart des Italieners zu passen scheint. Umso besser paßt er zur Lebensart jener »Inglesi Italianati«, die von den regennassen britischen Inseln auf ihre Sommersitze in der italienischen Campagna fliehen. Ein ähnlicher Menschenschlag bevölkert Die Villa, wie wir ihn aus A Room With A View oder The Wings Of The Dove kennen. Mit dem Unterschied, daß wir uns in einer Zeit etwa eine Generation nach Henry James befinden, in der Benito Mussolini sein Unwesen in Italien treibt. Unter der seidenglänzenden Oberfläche, hinter den Society-Events mit Walzer und Foxtrott braut sich das Unheil in Europa zusammen. Leise, ganz schleichend.

Genauso schleicht Maurizio Calvesis Kamera den Protagonisten hinterher und um sie herum, um sie dann jedes Mal aus der Zange der Großaufnahme zu entlassen und spielerisch in eine Halbtotale zu springen, mit der sicheren Überlegenheit des »ihr entkommt mir doch nicht«. Besonders schön ist dieser Satz in den letzten Minuten des Films verwirklicht. Endlich haben die Hauptfiguren sich gefunden; wir wußten ja, daß Kristin Scott Thomas dem unwiderstehlichen Hundeblick von Sean Penn nicht würde standhalten können – und plötzlich schiebt sich die Geschichte, die Politik, der Faschismus vor das Happy End. Dieser Schlußmoment zeigt ein großes Talent des bisher weniger bekannten Regisseurs Philip Haas, nämlich mit den Emotionen seines Zuschauers zu spielen, indem er kurz an einem Nerv zupft und dem Gefühl Zeit gibt, nachzuschwingen. Daß er dieses Talent nicht nur für Schlußpointen zu nutzen weiß, sondern auch in einem größeren Spannungszusammenhang geschickt einsetzt, zeigt der Aufbau des Films zum Wendepunkt hin, der aber auch viel den Qualitäten eines speziellen Supporting Actors verdankt: Jeremy Davies, welcher allerdings nach dieser Höchstleistung nicht mehr in Aktion zu sehen ist. Arrividerci! Wir sehen uns in einem Thriller wieder! 1970-01-01 01:00
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