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Viktor Vogel – Commercial Man

D 2000. R,B: Lars Kraume. K: Andreas Doub. S: Benjamin Hembus. M: Robert Meyer. P: Von Vietinghoff, Columbia. D: Alexander Scheer, Götz George, Chulpan Hamatova, Vadim Glowna, Maria Schrader, Nele Mueller-Stöven u.a.
94 Min. Columbia ab 12.4.01
Von Oliver Baumgarten Als minutiöser Tüftler zeigte sich Lars Kraume in seinem Kurzfilm Life is to short to dance with ugly women, wo er einen Überfall auf einen Supermarkt nebst Vorbereitung und Flucht in nur einer Einstellung inszenierte. Eine spannende Spielerei, sowohl für den damaligen Studenten als auch für die Zuschauer.

Was dort erquickte, das gerät ihm in seinem nach Dunckel nunmehr zweiten Langfilm Viktor Vogel allerdings in der ersten Hälfte gehörig außer Kontrolle: der Spieltrieb, überbordender Jux, erkleckliche Übertreibung. Alexander Scheer, dessen pubertärer Stoffwechselcharme bereits aus Sonnenallee bekannt ist, gibt im ersten Teil eine intensive Lektion in Overdoing. Kraume läßt ihn sämtliche Slapstick-Ansätze der Figur bis aufs Letzte ausspielen und kommt dem dergestalt von der Leine Gelassenen mit den restlichen visuellen Elementen nicht annähernd hinterher. So baumelt der arme Scheer zappelnd und allein gelassen über der Szenerie und erntet zunächst als einziger die berechtigte Skepsis des sprachlosen Zusehers. Erst gegen Mitte des Films finden Kraume und Scheer den Rhythmus – den nämlich, den die restlichen Darsteller von Beginn an vorlegen.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings ist die Exposition lange schon und wenig glaubhaft gelaufen, Viktor Vogel hat sich als Hobbygrafiker bereits in die große Werbeagentur eingeschlichen, arbeitet verantwortlich am Opel-Budget und sieht sich dem Problem gestellt, das Konzept seiner Geliebten, die als freie Künstlerin lebt, für seine Zwecke zu mißbrauchen. Hübsche Inszenierungsminiaturen, ein starker Cast um George und das endlich angezogene Tempo können den Film aber nicht mehr retten. Die Moralkeule von Geld und Erfolg als Charakterbremse greift höchstens für Georges Figur, nicht aber für Vogel, denn wo kein Charakter, da kann auch nichts kaputtgehen. »Flieg' nicht so hoch, mein kleiner Freund«, soll Vogel da schmunzelnd zugeträllert werden – verkennend, daß der Film tatsächlich Schlagerniveau nicht zu übersteigen vermag. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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