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Video Kings

D 2007. R,B: Daniel Acht, Ali Eckert. K: Stephan A. Rother. S: Charles Lézin. M: Larry Hucas and the FunDeMental Boys. P: Madhouse Pictures, Hahnfilm. D: Fabian Busch, Wotan Wilke Möhring, Monica Nancy Wick, Bela B. Felsenheimer, Oliver Korittke, Til Schweiger u.a.
94 Min. Madhouse ab 6.9.07

Alles wird gut

Von Oliver Baumgarten An Fabian Busch und Wotan Wilke Möhring, das soll vorneweg festgehalten werden, hat es wirklich nicht gelegen. Die beiden Kumpels, die sie geben – der eine verträumter Sympath, der andere begriffsstutziger Proll – treffen den richtigen Ton, beide Darsteller zeichnet seit jeher bestes Timing aus, und ihr Zusammenspiel erzeugt einigen Witz. Es ist vielmehr das Buch mit all seiner mangelnden Konsequenz und fehlender Originalität, das Video Kings zurück ins deutsche Kino der 1990er Jahre katapultiert und damit mitten hinein in die komödiantische Steinzeit angepaßter Buchhalterkomik.

Es fängt schon damit an, daß es – außer Kevin Smith – wohl niemand als originell bezeichnen wird, sich mehr als ein Jahrzehnt später ausgerechnet an Clerks zu hängen, gibt es doch kaum einen anderen Film, dessen Atmosphäre, Humor und Setting enger an die 1990er Jahre geknüpft ist. Daniel Acht und Ali Eckert allerdings, die beiden Schöpfer von Video Kings, schien das nicht irritiert zu haben – im Gegenteil: Sie besetzen in Nebenrollen u.a. auch Til Schweiger und Badesalz, beides eindeutig Kinder der 1990er, womit sie ihren Film vielleicht endgültig von der Last der Originalität befreit glaubten. Und so erzählen sie von zwei »Buddies«, die in einer Videothek arbeiten und sonst nicht sonderlich viel auf die Reihe bekommen, außer, daß sich der eine verliebt (der Sympath) und der andere Sex hat (der Proll). Es tauchen jede Menge vermeintlich skurriler Figuren auf, und am Ende wird alles wieder gut (wobei das natürlich Quatsch ist, weil ja vorher nichts gut war und daher auch nachher nichts wieder gut sein kann, aber wollen wir das mal gut sein lassen).

Na gut: Video Kings ist inhaltlich und ästhetisch zu einer Hommage an die 1990er geworden – ob willentlich oder unfreiwillig, das sei einmal dahingestellt. Dagegen alleine jedenfalls läßt sich leider nichts einwenden. Allerdings rühmt sich die Produktion allenthalben dafür, der Film sei ohne öffentliche Förderung entstanden und habe es so vermieden, »sich vor lauter Abhängigkeiten in einem auf Nettsein geschnittenen Kompromiß zu verheddern«. Hier allerdings sei nun kräftiger Widerspruch erlaubt: Ähnlich wie schon der ebenfalls frei produzierte Film Schwarze Schafe glaubt auch Video Kings, Kraftausdrücke, ungereinigte Kulissen und ein Punkrock-Soundtrack bedeuteten, kompromißlos oder gar subversiv zu sein. Unabhängiges Kino, Avantgarde oder meinetwegen Punk hat in der Film- und Kunstgeschichte immer etwas zu erzählen gehabt – es muß ja nicht gleich ein komplett formulierter Gegenentwurf zur Gesellschaft sein. Ein Zerrspiegel der Gegenwart, ein schlichtes schmutziges »Nein« oder überhaupt erst einmal ein eigener Standpunkt zu irgendetwas, sei es inhaltlich oder ästhetisch, genügt da schon, um als »unabhängig« von einem normierten, kanonischen Einerlei abzuweichen. Davon aber ist in Video Kings nichts zu sehen: Es ist ein handwerklich durchschnittlicher Mainstreamfilm ohne jegliches Anliegen oder Mehrwert. Meinetwegen, soll es geben dürfen, warum nicht? Nur dann sollten auch die Macher dazu stehen und bitte nicht ständig behaupten, Spitze der Avantgarde zu sein, bloß weil Sender und Förderer vielleicht ihre Anträge ablehnen oder sie nicht einmal beantragt haben. Das nämlich bringt die wenigen wirklich Unabhängigen nachhaltig in Verruf. 1970-01-01 01:00
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