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Das Versprechen

The Pledge. USA 2001. R: Sean Penn. B: Jerzy Kromolowski, Mary-Olson Kromolowski. K: Chris Menges. S: Jay Cassidy. M: Hans Zimmer, Klaus Badelt. P: Franchise, Morgan Creek u.a.. D: Jack Nicholson, Benicio Del Toro, Aaron Eckhart, Helen Mirren u.a.
125 Min. Warner ab 11.10.01
Von Andrea Keil Ein Krimi, der keiner ist – mit einem solchen, eher ungewöhnlichen Setting wird der bisher vor allem als Schauspieler brillierende Regisseur Sean Penn vermutlich auf gemischte Zuschauerreaktionen stoßen. Dennoch enttäuscht der Film einen falsch geschürten Erwartungshorizont, nämlich den der actionliebenden Zuschauer, die weder Dürrenmatts Roman noch die darauf basierende Verfilmung Es geschah am hellichten Tag von Ladislao Vajda gelesen bzw. gesehen haben.

Die nicht ganz zu Recht als Suspense-Thriller deklarierte Produktion mit Jack Nicholson in der Hauptrolle beginnt in klassischer Hollywood-Manier: Polizeiinspektor Black bekommt – wie immer in Hollywood-Filmen – ausgerechnet wenige Stunden vor seiner Pensionierung den Fall seines Lebens in Form einer völlig verstümmelten, sexuell missbrauchten Kleinmädchen-Leiche. Nach anfänglicher Spannung entwickelt sich aus der eher fallkonzentrierten Detektivstory allerdings eine sehr langsam erzählte, ermittlerfokussierte Geschichte, bei der am Ende statt eines Showdowns eher die Frage um die Relativität des Schicksals und des Zufalls steht.

Ausgezeichnete Einstellungen und Kamerawinkel tragen viel zu der zutiefst verstörenden Kraft der Charakterstudie bei. Anstatt also umsonst auf den durch den Filmanfang implizierten dramatischen Showdown zu warten, lasse man sich lieber in den Bann ziehen von der dämonischen Langsamkeit und einer faszinierend-atmosphärischen Kinematografie. Zwar kann Penn auch mit Jack Nicholson in der Crew keinen Vajda mit Heinz Rühmann als Kommisar in Es geschah am hellichten Tage übertrumpfen, doch bleibt der Film ganz sicher kein leeres Versprechen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
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