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Verschollen

Cast Away. USA 2000. R: Robert Zemeckis. B: William Boyle Jr. K: Don Burgess. S: Arthur Schmidt M: Alan Silvestri. P: Fox/Dreamworks/Image Movers/Playtone. D: Tom Hanks, Helen Hunt, Christopher Noth, Nick Searcy u.a.
143 Min. UIP ab 11.1.01

Moderner Robinson Crusoe

Von Carsten Tritt Vergessen Sie Billy Wilders One, Two Three. Und vergessen Sie Harley Davidson and the Marlboro Man. Was Robert Zemeckis mit Cast Away in Sachen Product Placement leistet, dürfte jede Werbeagentur vor Neid erblassen lassen. Schon die erste lange Einstellung: Der tapfere Bote des Paketzustelldienstes »F.« auf seiner Fahrt durch die weiten Amerikas… Und selbst die einsamste Insel der Welt wird bei Zemeckis zur Litfaßsäule für Sportgeräte der Marke »W.«

Aber erst mal zur Story: Chuck (Hanks), mit Kelly (Hunt) verlobt und als leitender Angestellter bei »F.« beschäftigt, überlebt als einziger einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik. Nun folgen drei eigentlich ziemlich autonome Kapitel: 1. Chuck auf der Insel; 2. Chucks Flucht von der Insel; 3. Chucks Rückkehr in die Zivilisation.

1. Chuck auf der Insel
Nach dem Absturz landet Chuck auf einer einsamen Insel. Aus eigener Kraft und nur mit Hilfe von ein wenig Strandgut muß er lernen, in der ungastlichen Umgebung zu überleben. Mit einem Volleyball des Herstellers »W.«, den er von nun an auch zärtlich »W.« nennt, schafft er sich einen imaginären Freund, der ihm hilft, die psychische Belastung zu überstehen.
Das erste Kapitel erinnert am ehesten an die traditionellen Robinson-Filme. Um zu überleben, hat Chuck hier Aufgaben zu lösen, die stark an alte Computerspiele wie »Zak McKracken« oder – noch besser – »Monkey Island« erinnern (z.B. im Stile von »Benutze Schlittschuh Für Öffnen Große Nuß«). Dieser erste Teil macht rund die Hälfte des Filmes aus.

2. Chucks Flucht von der Insel
Nach vier einsamen Jahren ist Chuck vom Inseldasein zermürbt. Auch »W.« kann ihn nicht mehr trösten. Aus einem Dixie-Klo, VHS-Kassetten und der örtlichen Flora baut sich Chuck ein Floß, auf dem er von der Insel flieht. Erleben Sie: Chucks Kampf mit den Naturgewalten. Chuck trifft Free Willy. »W.«s tragischer Tod in der unendlichen See.

Teil zwei bietet noch ein wenig Action, ist aber viel zu lang geraten und wenig interessant.

3. Chucks Rückkehr in die Zivilisation
Nach seiner Rückkehr in die Zivilisation stellt Chuck fest, daß die Zeit nicht stehengeblieben ist. Insbesondere hat Kelly inzwischen geheiratet und eine Familie gegründet. Chuck muß sich wieder eingewöhnen. Er lernt, einen neuen Lebenssinn zu finden.

Das dritte Kapitel ist das überflüssigste von allen, und hätte ersatzlos gestrichen werden können. Vielleicht hätte Zemeckis dies auch gerne getan, allerdings hätte wohl der Hauptsponsor »F.« etwas dagegen gehabt, der sich hier noch einmal richtig präsentieren darf.

An Cast Away stört vor allem seine Uneinheitlichkeit, nach jedem Abschnitt hatte ich das Gefühl, der Film sei fast zu Ende, aber kaum will man schon seine Jacke greifen und nach Hause gehen, kommt noch was. Sergio Corbucci hatte Ende der 60er ein solches Stilmittel mal parodistisch eingesetzt. Zemeckis meint das leider ernst. Cast Amay ist ein mißglücktes Epos, das unentschlossen zwischen Bildungsroman und Abenteuernovelle schwankt. Wobei auch Chucks Seelendrama nur unbeholfen präsentiert wird. Weil es Zemeckis nicht gelingt, das Innenleben der Figur auch ohne Worte zu inszenieren, präsentiert der Film die etwas einseitige Unterhaltung mit einem Volleyball. Hanks zeigt sicher keine schlechte Leistung, und der Film ist auch sonst auf technisch hohem Niveu; allein die zündenden Ideen fehlen konsequent. Für Tom-Hanks-Fans und QVC-Gucker dürfte der Film empfehlenswert sein. Freunde des Regisseurs seien jedoch besser auf dessen andere Werke verwiesen, die da nicht ganz so schematisch daherkommen. 1970-01-01 01:00
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