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Verliebt in eine Hexe

Bewitched. USA 2005. R,B: Nora Ephron. B: Delia Ephron, Adam McKay. M: George Fenton. S: Stephen A. Rotter, Tia Nolan. P: Columbia, Red Wagon, Parkway. D: Nicole Kidman, Will Ferrell, Shirley MacLaine u.a.
100 Min. Sony ab 1.9.05

Alles eine Frage der Nase

Von Maike Damm Kommt doch Nicole Kidman sonst recht maskenhaft daher, scheint sie sich für Verliebt in eine Hexe von ihrer operationsbedingten Versteinerung befreit zu haben. In blumigen Twinsets, schwingenden Tellerröcken und niedlichen Ballerinas tingelt sie als Hexe Isabel Bigalow durch drei Welten, die sich einzig und allein um sie zu drehen scheinen: die der unbekümmerten Hexen, die der verkorksten Menschen und die der abgehobenen Schauspieler.

Regisseurin Nora Ephron entscheidet sich bei ihrer Neuverfilmung der gleichnamigen Serie aus den 60ern gegen eine komprimierte Kopie des Alten und konzipiert ein originelles »Remake im Remake«. Sie läßt den ursprünglichen Handlungsstrang zweimal ablaufen und erzählt die Geschichte der Serienhexe Samantha auf der Studiobühne zeitlich parallel mit der Geschichte der echten Hexe Isabel auf der Kinoleinwand.

Ephron läßt ihre Figuren sowohl auf der Studiobühne als auch auf der Kinoleinwand wie Marionetten tanzen, und selbst der Zuschauer wird zu ihrem Werkzeug. Durch die Identifikation mit der fiktiven Zuschauerschar des Piloten zu Verliebt in eine Hexe im Film fühlt er sich in den Handlungsablauf integriert und für das weitere Geschehen mit verantwortlich.

Als Nicole Kidman alias Isabel Bigelow alias Samantha Stephens nach der Pilotsendung mit einer Zuschauerbeurteilung von 99% als Publikumsliebling geoutet wird, ohne auch nur ein einziges Wort gesprochen zu haben, spricht dieses Ergebnis dem wirklichen Zuschauer geradewegs aus dem Geschmacksorgan. Jack Wyatt hingegen steht als Darrin Stephens beim Pilotpublikum gleichermaßen vor verschlossenen Applaus-Toren wie Will Ferrell als Jack Wyatt beim Kinobesucher. Als großkotziger Möchtegern-Schauspieler mit Starallüren kommt Jack beim Pilotpublikum schlechter an als der Serienhund. Schade eigentlich, daß Ephron mit der männlichen Besetzung nicht näher an der charmant-trotteligen Originalfigur Darrin Stephens geblieben ist, denn Will Ferrell ist in beiden Rollen ein nervtötendes Brechmittel.

Aber wäre da nicht ab und zu irgend etwas Störendes im Bild, könnte man die idyllisch-zauberhafte Stimmung, die über dem Film schwebt, sobald Ferrell das Bild verläßt, vermutlich gar nicht in ihrer Leichtigkeit und Absolutheit erkennen und genießen. Unterstützt wird dieses Ambiente durch die Musik von George Fenton, die dem Zuschauer glitzernde Sternchenschwärme vor Augen tanzen läßt und den Film in eine milchig-zarte Wolke hüllt.

Vor dieser Kulisse ist Nicole Kidman der reinste Augenschmaus, und die für sie so ungewöhnliche Natürlichkeit steht ihr ausgesprochen gut! Bliebe nur eine Frage offen: Warum weist dieses entzückende Näschen seiner Besitzerin nicht die Richtung in die Arme eines echten Darrin Stephens, wo sich Isabel Bigalow doch nichts sehnlicher wünscht als einen ganz normalen Mann wie diesen? Vermutlich mußten die Geruchsnerven unter den zahlreichen OPs leiden, die nötig waren, um diese Nasenspitze so erschreckend niedlich wackeln zu lassen. 1970-01-01 01:00
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