Eine Frau kämpft um ihr Kind
Von Anne Heringhaus
Wenn die Vergangenheit in Filmen gezeigt wird, werden die Erinnerungsszenen auf verschiedenste Weise auf Zelluloid gebannt. Als erzählte Erinnerungen kennt man sie aus Klassikern wie
Rashomon oder als Traumwelt aus
Vanilla Sky. In
Die Vergessenen ist es aber die Darstellung der Realität, die von den verschiedenen Akteuren unterschiedlich wahrgenommen wird und den Zuschauer verwirrt.
Während der Film zwischen Kleinfamilienidyll und Verschwörungstheorien pendelt, klammert sich Telly Paretta an die ihr gebliebenen Gegenstände ihres verstorbenen Sohnes und will die Hoffnung nicht aufgeben, daß dieser doch noch lebt. Selbst als ihr Sohn plötzlich auf Familienfotos verschwindet, ganz im Stil der Spionagethriller, und Bekannte sich nicht mehr an ihn erinnern können, vertraut sie, entgegen jeglichen sichtbaren Argumenten, auf ihr Gedächtnis.
Der metaphorisch-herbstlichen Stimmung des Films ist es zu verdanken, daß er in der ersten Hälfte nicht in das Drama »Eine Frau kämpft um ihr Kind« abdriftet. Doch man hätte sich wohl eher etwas mehr Kitsch gewünscht oder aber, daß Telly Paretta wegen ihrer löwenartigen Mutterinstinkte aller Paranoia zum Trotz für verrückt erklärt worden wäre, als den Bruch, der die bis dahin gut aufgebaute Spannung hoffnungslos zerstört. Nur denjenigen, die Lösungsvorschläge wie aus
The Stand oder
The Langoliers lieben, sei dieser Film ans Herz gelegt.
1999-11-30 00:00