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Verbrechen verführt

High Heels and Low Lifes. GB/USA 2001. R: Mel Smith. B: Kim Fuller, Georgia Pritchett. K: Steven Chivers. S: Chris Blunden. M: Charlie Mole. P: Fragile. D: Minnie Driver, Mary McCormack, Kevin McNally u.a.
86 Min. Buena Vista ab 30.5.02
Von Matthias Grimm Der klassische Held zieht hinaus, verläßt ihm bekannte Strukturen, um in der Ferne sein Schicksal zu finden. Nicht so im Horrorfilm, dort kommt das Ferne und Fremde zu ihm, um wieder vertrieben zu werden. Und auch nicht in der Komödie, dort verläßt der Held bekannte Strukturen, um sich im Fremden lächerlich zu machen. Gelegentlich findet er dabei sein Schicksal, und wir hoffen, daß es zwischendrin komisch war.

Verbrechen verführt verfährt in diesem Sinne klassisch: Zwei Frauen machen sich auf dem ihnen unbekannten Gebiet des organisierten Verbrechens insofern lächerlich, daß sie durch Tolpatschigkeit einerseits und vor allem durch, jenem Gebiet unbekannten, weil weiblichen, Waffen andererseits die organisierten Verbecher mächtig unorganisiert aussehen lassen. Grund dafür ist, daß beide unfreiwillig Zeuge eines Bankraubes werden und den eigenartigen Plan fassen, die Räuber zu erpressen, was solange schief geht, bis keiner mehr weiß, wer jetzt eigentlich wen jagt, erpreßt, verfolgt, sucht, verkloppt, anschwärzt, bedroht, beobachtet, erschießt, hereinlegt, austrickst, anruft, auflauert, hintergeht, beklaut, verführt, verbricht. Das kann komisch sein, muß es aber nicht. Und dies ist symptomatisch für Verbrechen verführt. Er ist immer kurz davor, eine Pointe zu platzieren, aber so richtig gelingen will es ihm nicht. Das kann auch originell sein, muß es aber nicht. Verbrechen verführt erzählt keine wirklich neue Geschichte, was nicht schlimm ist, er vermag diese aber auch nicht mit ausreichend neuen Ideen anzureichern. Das kann schlecht sein, muß es aber nicht. Verbrechen verführt ist gesundes Mittelmaß, das keinem weh tut und mittendrin den einen oder anderen Anflug britischen Humors entwickelt, in dessen Tradition er sich gerne sehen würde. Das kann man so sehen, muß man aber nicht. 1970-01-01 01:00
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