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Verborgenes Feuer

Firelight. USA 1998. R,B: William Nicholson. K: Nic Morris. S: Chris Wimble. M: Christopher Gunning. D: Sophie Marceau, Stephen Dillane, Kevin Anderson, Dominique Belcourt u.a.
100 Min. Buena Vista ab 27.8.98
Von Karin Woyke Der deutsche Titel Verborgenes Feuer weckte in mir die Vorstellung, es handele sich hier um eine dieser kitschigen Lovestories mit tragischem Ende, von denen ich wahrlich kein Fan bin. Doch William Nicholsons Regiedebüt hat mich eines besseren belehrt.

Selten habe ich ein so homogenes Korrelat aus Farbdramaturgie, Licht- und Schattenspielen und Kameraführung gesehen.

Der Film strahlt eine delphische Mystik aus, hervorgerufen durch die harmonisch dichten Bildkompositionen mit ihren kontrastierenden Farbübergängen. Ferner fasziniert die besinnliche Kameraführung mit ihren zahlreichen Detailaufnahmen. In diesem Kontext sind besonders die schauspielerischen Leistungen von Sophie Marceau und Stephen Dillane hervorzuheben, die mit ihrer Gestik und Mimik eine starke emotionale Nähe zum Zuschauer erwecken.Vor allem, weil die Geschichte recht simpel ist: London, 1837.

Aus finanziellen Gründen geht die schweizer Gouvernante Elisabeth Laurier ein »geschäftliches Verhältnis« mit einem unbekannten englischen Aristokraten ein, der mit seiner eigenen Frau keinen Nachwuchs zeugen kann. Die gesamte Transaktion läuft unter strengster Diskretion ab. Das »geschäftliche Abkommen« entwickelt sich jedoch zu einer leidenschaftlichen, aber kurzen Liaison. Sieben Jahre vergehen, und Elisabeth reist nach Südengland, wo sie als Gouvernante für die aufsässige siebenjährige Louisa eingestellt wird, deren Vater Charles Godwin seinerzeit der geheimnisvolle Geschäftspartner war.

In sehr einfühlsamen und poetischen Bildern wird vermittelt, wie sich das Verhältnis zwischen Elisabeth und ihrer Tochter Louisa allmählich harmonisiert. Ein visuelles Erlebnis sind die in Blau- und Rottönen gehaltenen farbkontrastierenden Szenenwechsel, die das ambivalente Verhältnis zwischen Elisabeth und Charles auf einer sehr meditativen Ebene betonen. Ferner erinnert Nicholson in seiner Farbdramaturgie an die stilisierenden Bildkompositionen von Francis Ford Coppola, der 1992 mit Bram Stokers Dracula ein in diesem Punkt ähnliches Werk konzipiert hat. Die geschlossene Form des Films verfehlt keinesfalls die kathartische Wirkung, und der Zauber wirkt noch lange nach. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #11.
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