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Venus & Mars

D 2000. R: Harry Mastrogeorge. B: Ben Taylor. K: Martin Fuhrer. S: Donn Cambern. M: Nathan Barr. P: Atlantis/ Mitteldeutscher Filmkontor. D: Daniela Lunkewitz, Lynn Redgrave, Julie Bowen, Michael Weatherly, Julia Sawalha, Ryan Hurst, Fay Masterson, Hella von Sinnen u.a.
90 Min. Buena Vista ab 15.3.01

Kleinstädtische Harmonie

Von Carsten Happe Vielleicht liegt es ja an ihrem Namen, daß Daniela Lunkewitz bisher nicht zur großen Filmkarriere durchstarten konnte. Winona Horowitz hat sich schließlich auch wohlweislich in Ryder umbenannt. Ebenso möglich, daß sie mit ihren langen, dunklen Haaren einfach den falschen Typ verkörpert. Deutschland liebt nun mal seine Blondinen, sei es die unsägliche »Haaaloo, Frau Ferres!« oder Kleiderständer wie Claudia Schiffer und Heidi Klum; das einzig aktuelle dunkelhaarige Fräuleinwunder aus deutschen Landen, die omnipräsente Verona Feldbusch, ist zumindest »blond inside«. Aber wahrscheinlich ist es einfach die zumeist unglückliche Rollenwahl, die Daniela Lunkewitz nach einem vielversprechenden Start mit Nebenrollen in Katja von Garniers Abgeschminkt! und Ralf Huettners Der Papagei den Weg an die Spitze verbaute. Auch ihr aktueller Film Venus & Mars fällt in diese Kategorie, und er fällt sehr tief.

Erzählt wird die Geschichte vierer Freundinnen, die sich anläßlich des Todes ihres geliebten Trainers in ihrem Heimatkaff Himmelsgarten (sic!) irgendwo in Mitteldeutschland wieder treffen. Jede der Frauen hat so ihre Probleme mit der Liebe und der Männerwelt und steht kurz davor, Schokolade zu ihrem besten Freund zu erklären. Doch natürlich wartet der jeweilige Traumprinz »just around the corner«, und nach dem obligatorischen Geplänkel und Rumgezicke – insbesondere in der zentralen Romanze zwischen Daniela Lunkewitz und dem amerikanischen Posterboy Michael Weatherly – findet jeder Pott seinen Deckel.

Was sich ein wenig nach »Rosamunde Pilcher, MDR-Style« anhört, ist in Wahrheit noch schlimmer: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit einem Film aufzuwarten, der dramaturgisch, moralisch und technisch nur knapp das Niveau des Heimatfilms der 50er Jahre erreicht, ist schon eine einsame Leistung. Die Hauptschuld trägt zweifelsohne das Groschenroman-Drehbuch von Ben Taylor, dessen Vorstrafenregister bereits die irre komischen Verwicklungen von Affären (ebenfalls mit Daniela Lunkewitz), Mr. Bluesman und Stadtgespräch aufweist. Situationskomik, wie sie sich nicht einmal mehr RTL traut, und pseudoromantische Allgemeinplätze geben sich hier die Klinke in die Hand, gelegentlich unterbrochen von einem astrologischen Überbau, der das Ganze vollends der Lächerlichkeit preisgibt. Regisseur Harry Mastrogeorge, laut Presseheft »einer der angesehensten Schauspiellehrer Amerikas« und Kameramann Martin Fuhrer bemühen sich zudem redlich, das Niveau der Story nicht unangemessen zu überbieten und liefern eine Inszenierung ab, dessen Tempo auch das Derrick-geschulte Auge nicht überfordern dürfte.

Ein solcher Film ist sicher schnell vergessen – dramaturgisch ähnlich konzipierte Daily Soaps leben ja von der 24-Stunden-Amnesie – es bleibt allerdings die Frage offen, weshalb des Autors Bedürfnis nach einem allumfassenden Happy End dermaßen stark ist, daß die finalen zehn Minuten ohne Insulinspritze kaum zu überstehen sind? Harmoniesucht ist hoffentlich heilbar, ebenso die vorsätzliche Ausbeutung kleinstädtischer Schrulligkeiten, die wohl zum Charme des Films beitragen sollen. Provinzploitation, könnte man sagen.

Bleibt allein Daniela Lunkewitz, die sich zumindest in der Rolle der Leading Lady sichtlich wohl fühlt und außerdem als ausführende Produzentin fungiert. Retten kann sie den Film indes auch nicht; Venus & Mars gehört vielmehr auf den Mond geschossen, im Nachmittagsprogramm des mdr weggesendet oder als abschreckendes Beispiel künftigen Autorengenerationen vorgeführt – alles, nur nicht ins Kino. 1970-01-01 01:00
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