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Velvet Goldmine

GB 1998. R,B: Todd Haynes. K: Maryse Alberti. S: James Lyons. M: Carter Burwell, Randall Poster. D: Jonathan Rhys Meyers, Ewan McGregor, Toni Collette, Christian Bale u.a.
123 Min. Tobis ab 26.11.98
Von Antje Krumm Trotz akutem 80er-Jahre-Revival warten immer noch etliche 70er-Phänomene auf ihre filmische Erweckung. Eine der Lücken im jüngsten Retro-Kino hat Todd Haynes jetzt geschlossen: Velvet Goldmine zelebriert den schillernden Kosmos des Glam Rock.

Die glitzernde Traumwelt voll üppigen Make-Ups, androgyner Kostüme und pompöser Popmusik tritt im London der frühen 70er mit sinnfreier Lust gegen die Sozialkritik der Hippies an. Popstar Brian Slade ist mit seiner Bühnenfigur Maxwell Demon personifizierter Glam. Wie David Bowie dereinst Ziggy Stardust öffentlich ermordete, so erliegt auch Maxwell Demon einem Fake-Attentat; seine Fans sind erbost.

Zehn Jahre später soll Reporter Arthur Stuart Slades weitere Karriere recherchieren. Allmählich wird nicht nur Slades Aufstieg und Fall zwischen Drogen, Ruhm, Ehefrau und Geliebtem erschlossen, sondern auch Arthurs Jugend, denn sein Idol Slade inspirierte ihn zur Rebellion gegen häusliche Enge und zum schwulen Coming Out.

Die etwas verworrene Erzählung – der Bogen wird bis zu Oscar Wilde gespannt – wird von den Darstellern zusammengehalten. Jonathan Rhys Meyer agiert sinnlich-kühl wie Bowie selbst; Christian Bale wandelt sich überzeugend vom Bubi im ersten Rüschenhemd zum glamourösen Großstädter, und Toni Collette als Glitter-Braut mit Hang zum Mondänen überzeugt in den Fußstapfen von Courtney Love. In der Rolle des unbändigen amerikanischen Geliebten Curt Wild, eine Melange aus Bowies Musen Lou Reed und Iggy Pop, darf Ewan McGregor erneut seinem Exhibitionismus frönen und ausgiebig sein bestes Stück präsentieren.

Das Gesangstalent der Akteure kann anhand von Stücken im Glamstil überprüft werden, die mit Originalsongs und dezent aktualisierten Coverversionen zu einem hübschen Soundtrack kompiliert wurden.

Das absolute Glanzlicht von Velvet Goldmine ist aber im wahrsten Wortsinne die schwelgerische, kenntnisreiche Ausstattung von den Straßenszenen über opulente Bühnengarderoben bis hin zum Schallplattencover. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.

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