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Veer und Zaara – Die Legende einer Liebe

Veer – Zaara. IND 2004. R: Yash Chopra. B: Aditya Chopra. K: Anil Mehta. S: Ritesh Soni. M: Sanjeev Kohli, Madan Mohan. P: Yash Raj Films. D: Shah Rukh Khan, Preity Zinta, Rani Mukherji, Amitabh Bachchan u.a.
192 Min. REM ab 2.6.05

Indernationale

Von Achim Wetter Es ist zweifellos eine gute Wahl, die der Kölner Verleih Rapid Eye Movies als hiesiger Außenposten fürs aktuelle Bollywoodkino mit seinem neuesten indischen Film für den deutschen Markt getroffen hat. Denn Veer und Zaara ist endlich mal wieder ein Bollywoodfilm, der sich wohltuend dem aktuellen Trend entzieht, auf Teufel komm raus indisches Selbstverständnis mit modernem amerikanischen Lebensgefühl kombinieren zu wollen.

Es kommt ganz einfach besser, die aktuelle Riege der indischen Topstars in einem mehr oder weniger authentischen Setting erleben zu dürfen als in der am Ende doch irgendwie unpassenden Atmosphäre europäischer oder amerikanischer Metropolen. Müssen die Darsteller sich dort stets sichtbar mühen, die engen Handlungsschemata des indischen Mainstreamkinos mit internationalem Flair anzureichern, während die Kamera nicht immer erfolgreich gezwungen wird, die exotische Seite urbanen Lebens und monumentaler Architektur möglichst schrill in Szene zu setzen. Veer und Zaara ist, einfach ausgedrückt, endlich mal wieder eine indische Produktion, die sich weder inhaltlich noch ästhetisch ans große Hollywoodkino heranwanzt, und gerade damit kann der Film nachhaltig punkten.

Verhandelt wird eine der momentan zentralsten weltpolitischen Herausforderungen, nämlich die des vernünftigen Umgangs mit religiöser und kultureller Differenz. Ebenso unverblümt wie die beiden Hauptfiguren als strahlende Prototypen subkontinentaler Wunschvorstellungen inszeniert werden, kommt die Geschichte deshalb als eingängige Metapher für die Situation zwischen den beiden verfeindeten Ländern Indien und Pakistan daher. Shahruk Khan gibt den Hindu Veer, der im Grenzgebiet als schneidiger Rettungspilot für die indische Luftwaffe täglich sein Leben riskiert. Und Preity Zinta verkörpert die zunächst aufmüpfige pakistanische Muslimin Zaara, die sich erst nach und nach zum Idealbild einer sich selbst aufopfernden »Mother India« wandelt.

Die Rahmenbedingungen für eine Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten sind dabei zunächst natürlich denkbar schlecht, gäbe es da nicht Zaaras Großmutter, deren letzter Wille die Enkelin verpflichtet, nach Indien zu reisen und die Bestattungsrituale im ehemaligen, einstmals vereinten Heimatland zu zelebrieren. Aus dem didaktischen Gehalt der sich entspinnenden Liebesgeschichte, der sich in gewohnt zahlreichen Nebenhandlungen multipliziert, wird von Anfang an kein Hehl gemacht: Die junge Muslimin begegnet auf ihrer kurzen, aber gefährlichen Reise nicht nur dem Mann ihres Lebens, sondern lernt die durchweg strahlende Sonnenseite des südlichen Nachbarstaates kennen. Im Gegenzug erobert sie mit ihrer kultivierten Erziehung und ihrem Charme im Handumdrehen nicht nur Veers Herz, sondern verdient sich auch die Liebe seiner Familie und die des gesamten Dorfes. Allein dem pakistanischen Bräutigam kommt in dieser Romeo und Julia-Variante die Rolle des Intriganten zu, der Veer in ein dramatisches Dilemma verstrickt und in eine langjährige, für die Geliebte aber demütig ertragene Erstarrung zwingt.

Mit seiner in jeder Hinsicht recht konservativ daherkommenden Inszenierung greift der Grand Senior des indischen Unterhaltungskinos Yash Chopra nach sieben Jahren Abstinenz als Regisseur wieder aktiv ins künstlerische Geschehen Bollywoods ein. Während er zuletzt als Produzent erfolgreich »moderne« Film wie Dilwale Dulhania Le Jayenge, Mohabbatein und jüngst Hum Tum betreute, besinnt er sich als Regisseur dabei auf altbewährte Stilmittel. Mit Wonne scheint er sich dem Diktat des filmischen Realismus westlicher Prägung zu verweigern und schwelgt in verschüttet geglaubter Art und Weise in den Manierismen ornamentaler Kompositionskunst.

Da sich das Bollywoodkino leider immer seltener traut, der eigenen ikonographischen Tradition auch Eingang in die Kinos zu verschaffen, ist dieses romantische Epos vielleicht eines der letzten Kleinode, die ebenso maßlos schwülstig wie verführerisch der Flächigkeit der Kinoleinwand huldigen. 1970-01-01 01:00

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