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Vampire

John Carpenter's Vampires. USA 1998. R,M: John Carpenter. B: Don Jakoby. K: Gary B. Kibbe. S: Edward A. Warschilka. D: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Maximilian Schell u.a.
104 Min. Arthaus ab 8.7.99

Vampir-Western

Von Ralf Möller Vampirjäger sind im Moment in. Nach Stephen Norringtons schwacher Comic-Adaption Blade und Joss Whedons sehr empfehlenswerter Fernsehserie Buffy – Im Bann der Dämonen, legt John Carpenter nun Vampire vor. Sein Vampirjäger heißt Jack Crow, und James Woods spielt ihn genauso cool wie einst den Polizisten Lloyd Hopkins in James B. Harris genialer James Ellroy-Verfilmung Cop.

Die schwarze Lederjacke, die Sonnenbrille und eine kompromißlose Härte im Kampf gegen das Böse kennzeichneten auch Hopkins. Darin gleicht ihm Jack Crow, dessen einziger Lebensinhalt die Jagd und das Vernichten der Untoten ist. Sein Haß resultiert aus seinen Kindheitserlebnissen, als er seine gebissenen Eltern eigenhändig töten mußte. Als Waisenkind wurde er dann von Priestern der katholischen Kirche großgezogen, die ihn zu ihrem besten Jäger machten. Richtig, die katholische Kirche, sprich der Vatikan, hat Söldnertruppen, um die Vampire zu vernichten, jene Spezies, welche sie durch einen mißglückten Exorzismus im 14. Jahrhundert erst selbst geschaffen hat.

Von dieser Prämisse ausgehend hat John Carpenter mit Vampire einen ziemlich unzeitgemäßen Film vorgelegt. Als wären die letzten 20 Jahre Kino an ihm vorbei gegangen, ist sein neues Werk ein Anachronismus. Doch gerade sein altmodisches Aussehen macht ihn moderner und frischer als das hippe, auf reine Geschwindigkeit und sinnlose Gewalt fixierte 90er Jahre Kino. Hier zerfallen die erlegten Vampire nicht effektvoll zu Staub, sie verbrennen qualvoll in der Sonne. Bei Carpenter verkommen die Figuren auch nicht zu schalen Abziehbildern. Jack Crow steht in der Tradition eines Captain Ahab oder des Suchenden Ethan Edwards.

Carpenter, schon immer als Hawks-Epigone verschrien, huldigt mit seinem Vampir-Western den großen Meistern des klassischen Hollywood. Dabei ist er kompromißloser und härter als seine anderen modernen Zeitgenossen. Vampire ist natürlich Männer-Kino à la Hawks, Walsh oder Ford. John Carpenter hat jedoch gemäß seinen Vorbildern in den letzten 20 Jahren seine eigene Handschrift entwickelt. Er dreht noch immer ein Genrekino, das in Hollywood in Vergessenheit geraten ist. Ich glaube allerdings, daß Zuschauer mit dem Kino des John Carpenter groß geworden sein müssen, um es wirklich zu lieben.

Die Einzigartigkeit seines Gesamtwerks erschließt sich nicht einfach durch das Sehen. Vielmehr sind auch fast immer sentimentale Erinnerungen an die eigene Jugend mit den Filmen verknüpft. Mag sein, daß der Blick auf Carpenter und sein Werk dadurch sehr subjektiv wird. Möglicherweise ist das Wort »Nibelungentreue« auch angebracht. Doch Vampire ist weniger ein wehmütiger Rückblick auf eine bessere Zeit, sondern vielmehr ein guter Wegweiser für das Kino im nächsten Jahrtausend. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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