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Valley of Flowers

D/F/I/GB/IND 2005. R,B: Pan Nalin. B: Sarah Shennib. K: Michal Englert. S: Sylvie Gadmer. M: Cyril Morin. P: Pandora. D: Eri, Mitsuyo Ishigaki, Mylène Jampanoi u.a.
155 Min. Pandora ab 31.5.07

Tal der Illusionen

Von Malte Can Wilde Pferde porträtierende Cinemascope-Panoramen, unterschnitten vom Nahen nepalesischer Nomaden, auf deren dunkler, furchenreicher Lederhaut das Antlitz der Sonne blinzelt, erinnern an Parfumwerbung oder Zigarretten-Spots. Im Hintergrund tut sich die ehrfurchtgebietende Weite des Himalaya unter dem beißenden Türkis des Himmels auf. Hinter einem Felsvorsprung wartet die Räuberbande des schönen Anführers Jalan auf ihre nächsten Opfer, während die im Winde tanzenden Gebetsfahnen der quälenden Situation einen lautmalerischen Ausdruck verleihen wie einst die quietschende Windmühle Sergio Leones.

Jalan, vielleicht ein bißchen zu schön und zu glatt für diese archaische Welt, ist zunächst irritiert von der mysteriösen Augenweide Ushnas mit einem gewissen Natalie Avelon-Glamour, die aus dem Nichts aufgetaucht ist und nun von Jalan und seiner Männerbande mitgenommen werden möchte, so wie es einst ihr Traum war. Und dann beginnt auch schon der bildgewaltige Abenteuerplot um die beiden Liebenden, die in zunehmenden Konflikt mit der Männerbande geraten und sie – getrieben von ihrer unzähmbaren Leidenschaft – in die Welt des Übernatürlichen vordringen läßt. Als Jalan aber aus lauter Hochmut seine unsterblich gewordene Geliebte erschießt, dauert es über ein Jahrhundert, bis er sie in einem neuen Körper in Tokio wiedertrifft.

Dies wirkungsvoll mit den Mitteln des Kinos zu artikulieren, ist eines der größten Verdienste Pan Nalins, der sich mit Valley of Flowers an die buddhistischen Themen von Tod und Wiedergeburt wagt. Manchmal hat man aber das Gefühl, das Licht mit all seinen tausendfachen Nuancen, dem wärmenden Ocker, den klaren Blau- und Grüntönen, übernimmt jene Protagonistenfunktion, die Jalan mit dem makellosen Gesicht eines Models und den edlen Handlungen eines großen Helden irgendwie nicht übernehmen kann. Und so nah die Kamera den Figuren auch kommt, nah wird sie ihnen nicht.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner handwerklichen Perfektion, die in jeder Einstellung en detail bekräftigt wird, hinterläßt Valley of Flowers den schalen Nachgeschmack, nicht mehr als die bloße Illusion eines großen Epos' zu sein, das trotz allem philosophischen Engagements und dramaturgischer Schlüssigkeit nicht rauh genug ist, an manchen Stellen nicht mutig genug ist, um auf ganzer Ebene zu überzeugen, unterwegs immer wieder mit dem westlichen Absatzmarkt flirtet und leider am Ende nicht davor gefeit ist, in zwei Teile zu zerfallen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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