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Urlaub vom Leben

D 2005. R: Neele Leana Vollmar. B: Janko C. Haschemian. K: Pascal Schmit. S: Andrea Mertens. P: Filmakademie Baden-Württemberg. D: Gustav-Peter Wöhler, Petra Zieser, Luisa Sappelt, Philip Stölken, Meret Becker u.a.
87 Min. Schwarz-Weiß ab 2.2.06

Spießgesellen

Von Manuela Brunner »Ein Herz für Spießer« müßte Neele Leana Vollmars Wohltätigkeitsorganisation heißen. Im Jahr 2003 erfreute die junge Regisseurin das Kurzfilmpublikum mit dem wunderbar erzählten und glänzend besetzten Meine Eltern, in dem ein erzkonservatives Elternpaar von der Tochter auf cool getrimmt wird, weil sie ihrem neuen Freund erzählt hat, ihre Eltern seien immer noch völlig verrückt nacheinander und würden den ganzen Tag nur kiffen. Gustav-Peter Wöhlers Darstellung des Vaters gab wohl den Ausschlag dafür, daß auch Vollmars Diplomfilm zu einer Studie über das deutsche Spießertum geworden ist.

An den netten Onkel von der Sparkasse erinnert sich bestimmt jeder, der als Kind am Weltspartag zur Bank geschleppt wurde, um die klimpernden Pfennigstücke brav aufs Sparbuch einzuzahlen. Rolf Köster ist genau so einer, und er scheint glücklich dabei. Er hat sich eingerichtet in seinem Vorstadthaus, mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, und seine eingefahrene Alltagsroutine grenzt ans Zwanghafte. Bis eines Tages sein Magen rebelliert und sein Chef ihm eine Woche Urlaub verordnet. Womit Köster erst einmal gründlich überfordert ist. Wieder hat sich Wöhler als Glücksgriff erwiesen, denn er harmoniert hervorragend mit Petra Zieser, die die gestreßte Ehefrau, Mutter und Lehrerin gibt. Die Rolle des verschrobenen Nachbarn Laruzo steht zwar garantiert nur im Drehbuch, damit Vollmar den Szenenstehler Lars Rudolph engagieren konnte, aber das mag ich dem Film nicht übel nehmen, weil es einfach zu viel Spaß macht, diesen üblichen Verdächtigen bei der Arbeit zuzuschauen.

Die Bilder von Pascal Schmit sind sauber und clever kadriert, und Andrea Mertens hat sie zu einem leichtfüßigen und sehr zeitgemäßen Film montiert, der seine Charaktere bei aller Witzigkeit nie verrät, und einen sogar mit kleinen Perlen der Weisheit nach Hause schickt, die Werbung machen für jene Menschen, die sie ebenso sehen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
© 2012, Schnitt Online

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