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Unzertrennlich

Stuck On You. USA 2003. R,B: Bobby Farrelly, Peter Farrelly. K: Dan Mindel. S: Christopher Greenbury, Dave Terman. P: Conundrum Entertainment, 20th Century Fox. D: Matt Damon, Greg Kinnear, Eva Mendes, Wen Yann Shih, Cher, Seymour Cassel, Meryl Streep u.a.
118 Min. 20th Century Fox ab 01.01.04

Überraschend

Von Frank Brenner Die Farrelly-Brüder haben sich in den letzten zehn Jahren in Hollywood den Ruf erworben, die geschmacklosesten Regisseure der Traumfabrik zu sein. Mit ihren Komödienhits Dumm und dümmer und Verrückt nach Mary zeigten sie uns, wo die Gürtellinie ist und wie man diese unterschreiten kann. Was darf man nun von einem Film der Regiebrüder aus Rhode Island erwarten, in dessen Mittelpunkt ein Siamesisches Zwillingspaar steht?

Die Gefahr eines bitterbösen, alle Grenzen des guten Geschmacks hinter sich lassenden Films, der seine Witze und Zoten auf Kosten behinderter Menschen macht, war hier in der Tat extrem groß. Um so mehr überrascht dann aber das Ergebnis – ein Film, der nicht so exzessiv wie vorangegangene Werke der Farrellys mit Schenkelklopfern übersättigt ist, sondern immer wieder auch ruhigere Töne anstimmt und erstaunlich respektvoll mit seinen Figuren umgeht.

Die Farrelly-Brüder scheinen in der Tat erwachsen geworden zu sein. Zwar haben sie ihr anarchisches Potential nicht gänzlich drangegeben, denn so mancher der Gags würde für sich allein genommen sicherlich noch etliche Gemüter erregen. Aber in Kombination mit der zutiefst menschlichen Botschaft des Films, der Natürlichkeit in der Darstellung behinderter Menschen auch in kleineren bis kleinsten Nebenrollen und der interessanten Konzeption von Drehbuch und Regie, zeigen uns die Farrellys hier, daß sie weitaus mehr können, als nur Lacher auf Kosten anderer zu schüren.

Ziel ihres Spotts sind dieses Mal nicht nur die Protagonisten, was gerade in diesem ungewöhnlichen Fall eigentlich das Naheliegendste wäre, sondern vor allem die Nebenfiguren des Hollywoodgeschäfts, in das es die siamesischen Zwillinge verschlägt, weil einer von ihnen eine Filmkarriere anstrebt. Da treffen sie auf Schauspielagenten aus dem Altersheim (herrlich spleenig: Seymour Cassel in seiner bislang witzigsten Rolle), schönheitsoperierte Starlets, Möchtegern-Autoren und zickige Stars wie die Oscar-Preisträgerin Cher. Die erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin nimmt sich hier gekonnt selbst auf die Schippe, wechselt mit jedem Auftritt Outfit und Frisur und steuerte zudem einen Song bei, der den Nagel auf den Kopf trifft: »Human«.

Zwischen all diesen Freaks und Zombies wirken die gehandicapten Brüder wie die einzigen menschlichen Wesen. Deren Sorgen, Ängste und Probleme werden durchaus ernstzunehmend diskutiert, was ihnen bis zum Ende des Films die uneingeschränkten Sympathien des Publikums sichert. 1970-01-01 01:00
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