— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Unter der Milchstraße

D 1995. R,B: Matthias X. Oberg. K: Roger Heeremann. S: Mona Bräuer. M: Astor Piazzolla u.a. D: Fabian Busch, Antonio Paradiso, Sophie Rois, Christiane Paul, Vitus Zeplichal, Detlev Buck u.a.
84 Min. Pandora ab 27.6.96
Von Oliver Baumgarten Die Enge der Zugabteile, Dämmerzustände, Kampf gegen drohenden Schlaf, Behaupten gegen kleinschurkische Kollegen und penible Vorgesetzte. Als frisch angelernter Schlafwagenschaffner ist ein junger Student des Nachts mit diesen Erschwernissen konfrontiert und schläft dafür konsequenterweise an freien Tagen in seinen Astronomie-Vorlesungen ein. Bei seinem Bemühen, sich den Gegebenheiten anzupassen, wächst er immer weiter in die halbseidene Kleinschurkenwelt seiner Kollegen hinein und vermag diese am Ende gar zu übertreffen.

Matthias X. Oberg versteht es geschickt, das Bewußtsein seines Protagonisten filmisch nachzuempfinden. Die Grenzen zwischen Schlafen und Wachen, Traum und Wirklichkeit, die in der Empfindung des Studenten immer stärker verschwimmen, verklären sich auch zunehmend für den Zuschauer. Vom »Helden« als real empfundene Erzählstränge inszeniert Oberg in obskurer Beleuchtung oder irrealen Einstellungen, oft unterstützt durch die gefällige Kameraarbeit Roger Heeremans. Mit Hilfe gelungener Montageideen überträgt Oberg das leicht verwirrte Gefühl beim Zeitverlust, den sein Student beim Verschlafen der Vorlesungen empfindet, auf den Zuschauer und versucht durch Wiederholung kurzer Sequenzen, manchmal leicht abgeändert, auf der Leinwand Déjà-vus zu imitieren.

Diese adäquaten filmischen Mittel machen Unter der Milchstrasse, und das ist für einen deutschen Film keineswegs selbstverständlich, streckenweise zu einem echten Seh-Vergnügen. Den Stärken auf der Bildebene des Films stehen allerdings deutliche Schwächen im Drehbuch gegenüber, das die Entwicklung des Charakters nicht schlüssig erscheinen läßt und dessen Dialoge nicht selten viel zu klobig ausfallen. Schade drum. Obwohl: irgendwie auch konsequent, in dämmrigem Sujet verpofte Dialoge zu schnarchen… 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #03.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap