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Unleashed – Entfesselt

Unleashed. F/GB 2004. R: Louis Leterrier. B: Luc Besson. K: Pierre Morel. S: Nicolas Trembasiewicz. M: Massive Attack. P: Europa Corp., Danny the Dog Productions, TF1 Films, Qian Yian, Current Entertainment, Clubdeal. D: Jet Li, Morgan Freeman, Bob Hoskins, Kerry Condon, Michael Jenn, Carole Ann Wilson u.a.
103 Min. UIP ab 12.5.05

Ein Hundeleben

Von Frank Brenner Es ist schon einige Jahre her, da zählte Luc Besson zu den innovativsten und erfolgreichsten Regisseuren Frankreichs. Viele seiner Filme genießen mittlerweile Kultstatus. In den letzten Jahren hat sich Besson auf dem Regiestuhl allerdings rar gemacht. Er verlagerte seinen schöpferischen Schwerpunkt mehr und mehr aufs Produzieren und aufs Schreiben von Drehbüchern. In dieser Funktion hat er einigen Regisseuren zu ersten großen Produktionen verholfen und als Macher im Hintergrund an den Kinokassen noch immer gut abgeschnitten. Unleashed – Entfesselt ist ein Film, bei dem Besson einmal mehr einem jungen Regisseur den Platz überließ und im Hintergrund die Fäden zog.

Die Story, die sich Besson hier einfallen ließ, hat es wahrlich in sich. Sie erzählt von dem Chinesen Danny, der von einem aalglatten britischen Geldeintreiber von Kindesbeinen an dressiert wurde. Ohne ihm auch nur irgendwelche humanistischen Werte zu vermitteln, hat Bart Danny zu einer Kampfmaschine herangezüchtet, einer kuriosen Mischung aus Sklave und Kampfhund. Der erwachsene Danny hat nur die rudimentärsten Kommunikationsformen erlernt und schlägt auf Kommando jeden Gegner zu Brei, wenn ihm sein Boß symbolisch die Halskrause abnimmt. Als Danny per Zufall die Bekanntschaft mit einem blinden Klavierstimmer und dessen hübscher Stieftochter macht, erfährt er zum ersten Mal in seinem Leben menschliche Regungen wie Liebe und Mitgefühl. Das ist Bart natürlich ein Dorn im Auge.

Luc Besson geht hier der Hypothese nach, was aus einem Menschen werden kann, wenn ihm sämtliche Liebe verweigert wird. Aus dem Spannungsfeld zwischen der stupiden Dressur zu einer Killermaschine einerseits und menschlicher Anteilnahme verbunden mit kulturellen Werten wie Musik und Literatur andererseits, versucht Besson den Reiz aus seiner Geschichte zu gewinnen. Leider geht dieser Schuß nach hinten los. Indem der Film menschenverachtende Grausamkeiten in seinen stark überstrapazierten Actionszenen ausschlachtet und die humanistische Botschaft als leere Plattitüden entlarvt, erweist sich auch seine Moral als doppeldeutig und bloßer Vorwand. Ganz abgesehen davon sind die Actionszenen nicht gerade sehr spannend oder ästhetisch ausgefeilt choreographiert, sondern lediglich Standard und in ihrer überzogenen Brutalität abstoßend. Wenn der Afro-Amerikaner mit der Sehbehinderung als Gutmensch postuliert wird, brechen sich sämtliche Genrestereotypen Bahn, und der Film versinkt gänzlich in Stumpfsinn. 1970-01-01 01:00
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