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Uneasy Rider

Nationale 7. F 1999. R,B: Jean-Pierre Sinapi. B: Anne-Marie Catois. K: Jean-Paul Meurisse. S: Catherine Schwartz. P: Telecip/La Sept Arte. D: Nadia Kaci, Olivier Gourmet, Lionel Abelanski, Chantal Neuwirth, Saïd Taghmaoui u.a.
90 Min. Arthaus ab 29.3.01
Von Thomas Warnecke Wenn auch der Film mit Handkamera gedreht ist, der Mann mit der Kamera, Jean-Paul Meurisse, für Lars von Trier gearbeitet hat und auf eine Filmmusik im klassischen Sinne verzichtet wird: dieser Film hat mit »Dogma« nichts am Hut. Der unter dem Deckmantel neuartiger Ästhetik formulierte Auftrag des koproduzierenden Fernsehsenders Arte, einen Film ausschließlich mit DV-Videokamera zu drehen, beinhaltete auch ein schmales Budget und also eine gewisse ökonomische Dimension, die sich mit ebendieser Ästhetik sehr gut vereinbaren läßt.

Der französische Originaltitel Nationale 7 bezieht sich auf die Nationalstraße im Hinterland Toulons, die ein wesentlicher Schauplatz der Handlung ist und in deren Nähe sich die Heimat der Protagonisten befindet, ein Behindertenpflegeheim (warum der Film in Deutschland einen so unsinnigen Titel erhalten hat, ist ein komplettes Rätsel; ich möchte lieber nicht über einen Zusammenhang mit den im Rollstuhl sitzenden Figuren des Films nachdenken). Dort ist die neue Pflegerin Julie (Nadia Kaci) die erste, die mit dem misanthropischen, an Muskelschwund erkrankten René (Olivier Gourmet) zurechtkommt und sein Problem bald an den Tag bringt: er braucht eine Frau. Abhilfe schafft eine der Prostituierten, die an der nämlichen Nationalstraße ihrem Geschäft nachgehen. Es geht nicht um Identität oder Rollenspiele, um Einfühlung oder Psychologie, noch weniger spielt Uneasy Rider eine Versuchsanordnung durch. Die Handlung ist vielmehr bewegt von einem optimistischen Tatendrang, die Aktion wird in ihrem Wortsinn zum Movens der Geschichte. Die mit dokumentarisch zumindest besser als mit authentisch beschriebene Machart verschafft in den besten Momenten einem Vitalismus Raum, für den das strahlende Licht der Mittelmeersonne vielleicht nicht die platteste Erklärung ist. Die rührseligen Elemente gegen Ende des Films können diesen Eindruck nicht trüben.

Natürlich kann Regisseur Jean-Pierre Sinapi nicht mit dem Stilwillen eines Lars von Trier aufwarten, doch dafür scheinen sein Film, die Handlung, die Figuren, auch weniger einem Konzept unterworfen. Die von den Produzenten intendierte neue filmische Ästhetik besteht bei Uneasy Rider vor allem darin, daß die Geschichte über das Visuelle dominiert. Jean-Pierre Sinapi beweist Gespür für Details, für Schauplätze, und auch die Schauspieler scheinen sich bei ihm wohlzufühlen. Das ist zwar noch nicht die Errettung der äußeren Wirklichkeit, doch habe ich auf und an der Nationale 7 eine gute Zeit verbracht mit Julie, René und den anderen. 1970-01-01 01:00
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