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Underworld

USA/D/HUN/GB 2003. R,B: Len Wiseman. B: Danny McBride. K: Tony Pierce-Roberts. S: Martin Hunter. M: John Frusciante, Paul Haslinger. P: Lakeshore Entertainment. D: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Michael Sheen u.a.
121 Min. Concorde ab 29.1.04

Übermonster und Unterwelt

Von Dietrich Brüggemann Am Ende ist es immer dasselbe: Das Über-Monster erscheint, der Held erlegt es und wird dadurch zum Übermenschen, der Film ist aus. Man kann sich die Blockbuster der letzten Jahre der Reihe nach vornehmen, das Ergebnis wird immer das gleiche sein – ob Blade, Evolution, League of Extraordinary Gentlemen oder Resident Evil, sobald ein Film keinen großen Anspruch an Realismus, aber große Ansprüche ans Einspielergebnis stellt, wird er fast sicher im Showdown mit einem Monster aufwarten, das alles bisher dagewesene krampfhaft in den Schatten zu stellen versucht. Da diese Sorte von Filmen aber ohnehin permanent dröhnende Eigenwerbung betreibt und schon ab dem Vorspann vor lauter Kraft nicht gehen kann, geht das Über-Monster (manchmal ist es wie in der Neuverfilmung von H.G.Wells' »Zeitmaschine« auch ein »Über-Morlock") meist kläglich in die Hose und bleibt eine bedauernswerte Computerspielkreatur, vor der kein Mensch Angst hat.

Underworld, Regiedebüt des Werbefilmers Len Wiseman, geht einen ähnlichen Weg, kriegt aber erfreulicherweise gerade noch die Kurve. Denn wo das Auftreten des Über-Monsters meist den Endpunkt einer halbgaren Kette von Klischees und Computereffekten bildet, da ist Underworld immerhin eine Kette von gewissermaßen gut durchgegarten Klischees und kommt obendrein mit einem Minimum an CGI-Tricks aus. Mit 22 Millionen Dollar fast schon ein Low-Budget-Film, gedreht in Budapest, besetzt aus der zweiten Reihe britischer Charaktermimen, strahlt er eine Art von Authentizität aus, die anziehend wirkt.

Die Geschichte ist weder subtil noch glaubhaft, aber dafür wenigstens neu: Werwölfe und Vampire kämpfen seit Jahrhunderten bis aufs Blut gegeneinander. Das paßt zwar in den derzeitigen Trend, altbekannte Horrogestalten in neuer Kombination aufeinander zu hetzen, siehe Freddy vs. Jason und Alien vs. Predator, doch komischerweise funktioniert es.

Kate Beckinsale kann in der Hauptrolle als Vampirlady Selene endlich einmal in letzter Konsequenz so sein, wie sie schon immer war, nämlich schön, aber etwas blaß. Außerdem darf sie, anstatt immer nur Angst um die Männer zu haben, diesmal selber kämpfen, springen und schießen, was man ihr zwar nicht ganz glaubt, was aber meistens ganz gut aussieht. Sie jagt also die Werwölfe bei Nacht durch die Schluchten der Stadt – bis sie sich in einen von ihnen verliebt.

Das ist nun natürlich alles andere als neu – in gewisser Weise ist Underworld Romeo und Julia mit Horrorgestalten. Und ähnlich wie Baz Luhrmans Verfilmung des Shakespeare-Dramas lebt Underworld von der kinetischen Energie, aus der Kombination von rasenden Bildern und wüstem Soundtrack. Luhrmans postmoderne Eleganz erreicht Underworld zwar nicht, die strebt er auch gar nicht an, doch er hat mehr Intensität als das Gros der kalkulierten Blockbuster. Die Besessenheit der Macher ist ihm anzumerken, und das macht ihn am Ende sympathisch – auch wenn er uns das Über-Monster natürlich nicht vorenthält. Aber auch dieses ist keine Playstation-Figur, sondern sieht einigermaßen nach lebendigem Wesen aus. Und außerdem ist der Showdown auf eklig-originelle Weise schneller als erwartet zu Ende.

Underworld könnte auch durchgehen als der erste Film, der sich stilistisch so richtig bei der Matrix bedient – auch das darf er, packender als die letzten fünf Stunden Matrix ist er nämlich allemal. Auf alle Fälle ist er ein solider, handgemachter B-Film, und als solcher hat er sich seinen Respekt ehrlich verdient. 1970-01-01 01:00
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