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Unbesiegbar

Invincible USA 2006. R,K: Ericson Core. B: Brad Gann. S: Gerald B. Greenberg. M: Mark Isham. P: Disney, Mayhem, Who's Nuts Prod. D: Mark Wahlberg, Greg Kinnear, Elizabeth Banks u.a.
105 Min. Buena Vista ab 31.5.07

Mit fliegenden Fahnen

Von Sascha Ormanns In Amerika wird man schon früh an den Patriotismus herangeführt, und spätestens in der Schule schwört man auf die Fahne – spricht den »Pledge of Allegiance«. Jedoch ist der US-amerikanische Patriotismus nicht in gesellschaftlicher und politischer Einheit verankert, für die meisten Amerikaner gilt das amerikanische Credo: der American Way of Life. Hinzu kommt die Verehrung der Gründungsväter, Abraham Lincolns und der Verfassung. Viele US-Bürger glauben einfach noch an den Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können – als Europäer, der auf gegensätzliche Erfahrungen zurückblicken kann, hält man den American Way of Life vielleicht für wünschenswert, jedoch auch für gänzlich unrealistisch. Korrigiert man Details an diesem Traum, also ersetzt man Tellerwäscher durch Barkeeper und Millionär durch Footballstar, hat man quasi Ericson Cores Unbesiegbar.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten, und vielleicht fragt man sich gerade deshalb, warum dieser Film jetzt in die Kinos kommt? Warum erzählt man uns jetzt eine Geschichte, die vor 30 Jahren stattgefunden hat? Die Geschichte von Vince Papale – der es trotz widriger Umstände 1976 als 30Jähriger in das NFL-Team der Philadelphia Eagles schaffte. Im Prinzip möchte Unbesiegbar uns mitteilen, daß man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wirklich alles erreichen kann, wenn man nur will (und sportlich genug ist). So wäre die Motivation des Films für das amerikanische Publikum erklärt, doch was bringt das dem Durchschnittseuropäer, der ja nicht am amerikanischen Credo festhalten kann beziehungsweise dies gar nicht möchte – will uns Ericson Core vielleicht die Vereinigten Staaten schmackhaft machen? Bekanntermaßen sind die USA ein Einwanderungsland – da jedoch das Ansehen der USA im Ausland in den letzten Jahren gelitten hat, ist Unbesiegbar vielleicht Teil einer PR-Aktion, die helfen soll, das Image der USA wieder zu verbessern?

Der Film läuft ab wie frisch vom Reißbrett, es gibt keine Abweichung vom Erzählschema eines Happy-End-Films, und natürlich muß der Karren erst in den Dreck gefahren werden, damit ihn am Ende jemand heraus ziehen kann. Dies macht sowohl Mark Wahlberg, weil er einfach glaubwürdig spielt – man nimmt ihm den vom Schicksal gebeutelten Papale wirklich ab – als auch Wahlbergs Figur Vincent Papale, der durch Glück, aber auch durch hartes Training den Platz bei den Philadelphia Eagles ergattert. Natürlich darf der Protagonist auch nicht ohne Frau bleiben, und da wir ja – Gott sei's gedankt – in einem Happy-End-Film sind, bekommt er diese auch in Form einer blonden Schönen, deren einziger Makel wohl die Vorliebe für das falsche Team – die New York Giants – ist. Ebenfalls aus Philadelphia kam Rocky Balboa, und auch dieser kämpfte sich von ganz unten nach oben – Ericson Core widmet ihm gar eine Szene, in der er Mark Wahlberg durch die kargen Straßen Philadelphias joggen läßt.

Ericson Core stellt die 1970er Jahre durch die Farbgebung seiner Bilder und die Kostüme realistisch dar. Im Gegensatz zu den Szenen, die das Leben der Protagonisten zeigen, steht die Kamera, die das Geschehen auf dem Football-Feld einfängt: Diese ist immer nah dran und erzeugt Action – man hat das Gefühl mit auf dem Platz zu stehen, jedoch mutet das alles zu modern an. Wenn Mark Wahlberg und seine Mitstreiter auf dem Feld mit dem Ball spielen, wirkt es eher wie heutiger Football, man fühlt nicht den Charme der 1970er: Vielleicht ist dieser Gegensatz von Core gewollt – die Frage nach dem Sinn bleibt, was bringt das dem Film? Besonders auffällig ist die Divergenz der Bilder gerade deshalb, weil uns Core zum Schluß wie in jedem x-beliebigen Disney-Sportfilm mit einigen Realaufnahmen Vince Papales konfrontiert und der Zuschauer so die Möglichkeit hat, die Realität mit den Filmaufnahmen zu vergleichen. Insgesamt bekommt man, was man erwartet: den Aufstieg eines Nobodys zu einem Helden. Wer hier Innovation oder Raffinesse erwartet, der wird enttäuscht, denn Unbesiegbar ist nur ein stinknormaler Sportfilm, der die Fahne der Vereinigten Staaten hochhält und versucht, das amerikanische Credo in die Alte Welt zu exportieren. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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