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U 571

USA/F 2000. R,B: Jonathan Mostow. B: Sam Montgomery, David Ayer. P: Studio Canal, Universal Pictures. K: Oliver Wood. S: Wayne Wahrman. M: Richard Marvin. D: Matthew McConaughey, Harvey Keitel, Bill Paxton, Jon Bon Jovi, Jake Weber, David Keith u.a.
120 Min. Highlight ab 14.9.00

Naives Kriegsspiel

Von Carsten Tritt 1942. Die Besatzung des U-Bootes 571 im Kampfe mit dem Feind: bärtige, kriegserprobte Männer, die schon einiges erlebt haben, denn der Krieg ist ein dreckiges Geschäft. Sie tauchen ab, versuchen, dem amerikanischen Zerstörer zu entkommen, zunächst erfolgreich. Doch dann detoniert eine Wasserbombe in unmittelbarer Nähe des Schiffes. U-571 verliert die Maschinen; zwar ist die Mannschaft von Kaleu Thomas Kretschmann dem Zerstörer noch einmal entwischt, aber nun stecken sie fest, mitten im Nordatlantik.

Zur selben Zeit in einem Offiziersclub in den USA: Eine glattrasierte All-Star-Crew amüsiert sich zu flotter Jazz-Musik. Doch ihre Feier wird jäh von der MP unterbrochen. Uncle Sam hat einen Auftrag. Die Mannschaft des jungen, unerfahrenen, später aber zum wahren Helden und Leitbild wachsenden Lt. Matthew McConaughey soll U-571 kapern und die dort vorhandene, streng geheime Codemaschine Enigma rauben. Mit dabei: Jon Bon Jovi als amerikanische Grönemeier-Parodie. Harvey Keitel, der sogar ein kleines Bärtchen tragen darf, das seine Erfahrenheit und Abgeklärtheit als Veteran des ersten Weltkriegs ausdrückt. T.C. Carson, der Quotenneger, der den Zuschauer daran erinnert, daß es in der US-Navy der 40er Jahre natürlich keinerlei Rassismus oder so was gab. Zuletzt Bill Paxton und ein paar andere Nebendarsteller, die im Verlaufe des Films einzig bedauern werden, daß sie nur ein Leben für ihr Vaterland geben konnten.

Der Bruch zwischen den ersten zehn Minuten des Films, die den Krieg aus deutscher Sicht zeigen, und dem Rest des Films ist markant: Von einer Sekunde auf die andere verwandelt sich ein realistischer Kriegsfilm in ein unterhaltsames Action-Abenteuer. Sicherlich haben die Amerikaner eine andere Art Krieg zu führen als wir Europäer. Aber nach so beeindruckenden Produktionen wie Saving Private Ryan oder Three Kings hat mich dieser Rückfall in die Naivität der 60er Jahre schon überrascht – zwischendurch hatte ich sogar das Gefühl, hinter jeder Ecke könnten plötzlich Richard Burton und Wolfgang Preiss auftauchen. Und irgendwie verwundert es mich so gar nicht, daß dieser Film sogar das britische Parlament beschäftigt hat, waren es doch tatsächlich die Briten und nicht die Amerikaner, die die Enigma geklaut haben: Zum Abschluß der unumgänglichen Debatte forderte Tony Blair noch einmal auf, der beiden heldenhaften Patrioten zu gedenken, die auf der Jagd nach der Enigma ihr Leben gelassen haben. Bei soviel Verbissenheit sollte man den Krieg vielleicht (zumindest im Kino) wirklich nicht so ernst nehmen, und ich halte es sowieso nicht für sinnvoll, Filme moralisch zu bewerten. Wenn Jonathan Mostow meint, der Zweite Weltkrieg sei ein großer Abenteuerspielplatz, dann soll dem von mir aus so gewesen sein, und der Film macht ja auch Spaß – wenn auch strikt im Rahmen der Genregrenzen. Für zum Teil etwas alberne Special Effects wird der Zuschauer entschädigt durch ein hervorragendes Setdesign von Götz Weidner, der schon für Petersens U-Boot veranwortlich war. Und wenn sich McConaughey & Co in den Actionsequenzen beweisen dürfen, ist das nicht immer originell, aber dafür handwerklich gut inszeniert.

Die Weltmeisterschaft im Schiffeversenken hat zwar auch dieses Jahr jemand anderes gewonnen, aber für Leute wie mich, denen historische Authentizität egal ist, bietet U-571 durchaus gepflegte Abendunterhaltung. Und alle anderen seien bis nächstes Jahr vertröstet: Dann kommt nämlich der englische Enigma-Film vom 007-Regisseur Michael Apted in unsere Kinos – garantiert total realistisch. 1970-01-01 01:00
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