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U-Turn – Kein Weg zurück

U Turn. USA 1998. R: Oliver Stone. B: John Ridley. K: Robert Richardson. S: Hank Corwin. M: Ennio Morricone. D: Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Powers Boothe, Claire Danes, Joaquin Phoenix, Jon Voight u.a.
129 Min. Columbia ab 23.4.98
Von Nikolaj Nikitin Eigentlich mag ich Oliver Stone nicht – und irgendwie habe ich ein Déjavu. Ich mag eigentlich auch Sean Penn nicht, aber ich liebe U-Turn. Bei bestimmten Regisseuren, die auch nicht mehr gerade unbelastet sind und ein überschaubares Œuvre geschaffen haben, denkt man, die Richtung, den Stil und die Ausprägung zu kennen. Selten wurde ich bei einer vorgefaßten Meinung über einen Regisseur so überrascht wie bei Olis neuestem Streich. Sollte es ein Ausrutscher gewesen sein, war es ein genialer.

Die Geschichte ist schnell erzählt (allein deshalb hat der Film schon gewonnen). Losertyp Bobby, dargestellt von Sean Penn – beide meistens stoned – fährt durch die Wüste, irgendwas platzt am Auto. Bobby schafft es mit Ach und Krach zur nächsten Tanke mit einem äußerst »strangen« Wart mit schmierigem Bart, der ihm Bescheid gibt, daß es etwas dauern könnte – rein in die Stadt, sich solange erfrischen – Begegnung mit einer ultrageilen Femme fatale – beinahe enger körperlicher Kontakt, doch der Ehemann kommt noch dazwischen. Von da an eigentlich Schema X. Zurück in die Stadt, nur Ärger, kein Geld, kein Auto und unmoralische Angebote von allen Seiten.

Hört sich irgendwie bekannt an, ist es auch, allerdings nicht in dieser radikal-forschen Umsetzung: Double Indemnity meets NBK. Der überspitzte Lakonismus fesselt mit bunten, wilden, impulsiven Bildern, souverän eingefangen von Stones Hauskameramann Robert Richardson. Der dynamisierende Schnitt scheint die Charaktere geradezu zu zerschneiden, was beim Flashback von Bobby besonders gut funktioniert. Doch auch die inhaltliche Ebene bietet noch die eine oder andere Überraschung.

Allein die Besetzung ist den Kinoabend wert. Vor allem weil man gut die Hälfte des Films damit verbringen kann, zu raten, welcher Star in welcher absurden Gastrolle zu sehen ist. Der Profi erkannte sie sofort, achten Sie vor allem auf die junge Dame in der Bahnhofshalle, nein, nicht die Kassiererin, sondern die im Hintergrund. Einer der gewinnendsten Aspekte ist allerdings die Musik. Auch da habe ich mich getäuscht (erneutes Déjavu). Der Altmeister der Filmmusik Ennio legt eine derartig stimmige Selbstparodie hin, wie man es von ihm nicht mehr erwartet hätte: Glink, Glink, Glink!

Und das Beste zum Schluß: Jennifer Lopez! Ach nee, eigentlich gebührt dieser Platz doch Powers Boothe als durchgeknallter Sheriff. Jennifer ist zwar unglaublich sexy und weiß die vielen Stimmungswechsel überzeugend rüberzubringen, aber Boothe ist einfach supercool und hat mega Power!

PS: Okay, natürlich gibt's auch hier ein bißchen Schizo-Paranoia, aber…. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
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