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Twisted – Der erste Verdacht

USA 2003. R: Philip Kaufman. B: Sarah Thorp. K: Peter Deming. S: Peter Boyle. M: Mark Isham. P: Paramount Picture, Intertainment, Kopelson Entertainments. D: Ashley Judd, Samuel L. Jackson, Andy Garcia, David Strathairn, Russell Wong, Mark Pellegrino u.a.
97 Min. UIP ab 29.4.04.

Patchwork-Thriller

Von Frank Brenner Seit seinem mit Preisen überhäuften Film Quills im Jahr 2000, in dem er den Aufenthalt des Marquis de Sade in einer Irrenanstalt schilderte, hat Philip Kaufman keinen Film mehr gedreht. Der mittlerweile fast siebzigjährige Filmemacher, der auch mit Die Körperfresser kommen, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und Henry & June von sich reden machte, hat für sein neuestes Werk eine Polizeistory gewählt, die zwischen Thriller und Charakterstudie pendelt. Drehbuchautorin Sarah Thorp hat dafür tief in die Aservatenkiste der Kinogeschichte gegriffen und einige Handlungskonstellationen bemüht, die einem nur noch ein müdes Gähnen entlocken können.

Jessica Shepard ist mit ganzer Seele ein Cop. Nachdem ihr Vater, seines Zeichens ebenfalls beim San Francisco Police Department beschäftigt, ihre Mutter und anschließend sich selbst erschoß, als Jessica gerade mal sechs Jahre alt war, wurde sie vom Kollegen ihres Vaters aufgezogen und wohl gerade wegen ihrer traumatischen Kindheitserlebnisse ebenfalls zur Polizistin. Als sie nun zum Inspector befördert wird, wartet mit ihrem ersten großen Fall ein Serienkiller auf sie, der ausgerechnet Männer umbringt, mit denen Jessica zuvor ein Verhältnis hatte. Die labile Frau und Alkoholikerin wird schon bald von Zweifeln geplagt, ob sie nicht am Ende die Morde selbst begangen hat, wenn sie mal wieder besinnungslos war.

Das ist schon heftiger Tobak, den uns Sarah Thorp und Kaufman hier vorsetzen. Mit solch einer Story kann man dem Publikum einerseits eine toughe, gutaussehende Polizistin in Gestalt von Ashley Judd präsentieren, andererseits kann man wegen der Zerrissenheit ihrer Figur tiefer graben und psychologische Motive zur Untermauerung bemühen. Somit hat man die Chance, sowohl kriminalistische als auch psychologische Spannung aufzubauen. Doch leider gelingt den Filmemachern keins von beidem. Und das scheint in erster Linie an der Darstellung Ashley Judds in der Hauptrolle zu liegen.

Die junge Mimin, die mit einer ihrer ersten Rollen als Marilyn Monroe in dem Fernsehfilm Norma Jean and Marilyn für Aufsehen sorgte, ist in den folgenden Jahren in ihrer Rollenwahl und ihren Interpretationen immer eintöniger geworden. Die alkoholabhängige, von den Schatten ihrer Vergangenheit geplagte Gesetzeshüterin mag man ihr einfach nicht so richtig abnehmen. Deswegen krankt der Film an der Glaubwürdigkeit seiner Identifikationsfigur, was einem Gelingen nachhaltig im Wege steht. Für die bislang recht abwechslungsreiche und durchweg interessante Filmkarriere des Altmeisters Philip Kaufman ist Twisted jedenfalls ein arg konventioneller Ausrutscher. 1970-01-01 01:00
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