— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

TwentyFourSeven

GB 1997. R,B: Shane Meadows. B: Paul Fraser. K: Ashley Rowe. S: William Diver. M: Neil MacColl, Boo Hewerdine. D: Bob Hoskins, Danny Nussbaum, Justin Brady, James Hooton, Darren Campbell u.a.
97 Min. Tobis ab 30.4.98
Von Dirk Steinkühler Wenn in der Anfangssequenz von TwentyFourSeven der junge Tim auf einen verlassenen, schäbigen Holzwohnwagen zusteuert, läßt sich in dem dort gestrandeten, verwahrlosten Mann namens Alan Darcy nur mühsam Bob Hoskins erkennen. Wenn dann wenig später ein äußerst agiler Hoskins durch die Straßen einer englischen Industriestadt streift, läßt sich ungefähr erahnen, welche enorme Wandlung er in Shane Meadows Langfilmdebüt vollziehen wird.

Der Regisseur erzählt mit präzise gefilmten Schwarzweißbildern das tragische Schicksal des sozial engagierten Alan Darcy und einer Schar Jugendlicher, die sich in der Major-Ära endgültig ihrer Zukunft beraubt sehen. Wenn schon ihre Eltern vor den stagnierenden bis abwärts gleitenden wirtschaftlichen Verhältnissen kapitulieren und mit aufkommenden sozialen Spannungen nicht fertig werden, wie soll dann ein fruchtbarer Nährboden für die nächste Generation bleiben? Das Herumhängen mit Gleichgesinnten und das Ausleben unterdrückter Wut bestimmen den trostlosen Alltag der Jungs, doch haben sie ihre Rechnung ohne Darcy gemacht, der sich dieses Trauerspiel nicht länger mitansehen will. Er gründet einen Box-Club und bringt die desillusionierte Clique wieder auf Vordermann.

Ohne belehrend zu wirken, gelingt es Darcy, den Spaß, den vorantreibenden Kampfgeist und den Gemeinschaftssinn alter Tage neu zu entfachen und zudem Disziplin und Selbstbeherrschung als Tugenden zu etablieren, selbst wenn er letztere am Ende selber verliert.

Anders als beispielsweise in Jim Sheridans Nordirland-Drama The Boxer, wo die blutigen Rivalitäten zwischen Katholiken und Protestanten statt mit Waffen im fairen Kampf mit Boxhandschuhen ausgetragen werden und die politische Lage eine dominierende Stellung einnimmt, läßt Shane Meadows die ohnehin klaren sozialen Verhältnisse nur eine Nebenrolle spielen. Er konzentriert sich auf die Veränderungen, die seine Charaktere durchleben und rückt den sportlichen Geist viel deutlicher in den Vordergrund als das Boxen an sich.

Mit selten so ideal eingesetzten Montagen und einer die einzelnen Stimmungen ausgezeichnet erfassenden Musikauswahl ist ihm ein Film der einfachen Hoffnungen gelungen, in dem das Mögliche erreichbar scheint und nicht von dem Unerreichbaren überlagert wird. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap