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Trennung mit Hindernissen

The Break-Up. USA 2006. R: Peyton Reed. B: Jeremy Garelick, Jay Lavender. K: Eric Alan Edwards. S: Dan Lebental, David Rosenbloom. P: Universal Pictures, Mosaic Media Group. D: Vince Vaughn, Jennifer Aniston, Joey Lauren Adams, Ann-Margret u.a.
106 Min. UIP ab 10.8.06

Der Butterblümchenkrieg

Von Jutta Klocke So leicht kann man Enttäuschungen entgehen: Man muß nur seine Erwartungen so weit wie möglich herunterschrauben – wird’s dann tatsächlich schrecklich, wußte man es ja vorher. Andernfalls bleibt die Erleichterung, daß aller Argwohn umsonst war. Diesen Selbstschutzmechanismus zu aktivieren, fällt angesichts des Trailers zu The Break-Up und des wieder einmal unsäglichen deutschen Titels nicht schwer, lenken doch beide auf die falsche Fährte einer »sommerlichen« Beziehungskomödie.

Aber der Film ist weitaus unkomischer als befürchtet. Schön, die Charaktere sind allesamt wandelnde Klischees, was bei den Nebenfiguren im besten Fall für einige witzige Einlagen sorgt und im schlimmsten für einen peinlichen Beigeschmack. Zum wirklichen Störfaktor wird dies jedoch erst für die Protagonisten. Der Touristenführer Gary ist so sehr zur tumben Couch Potato degradiert, daß man sich fragt, wie die auf Stil und gepflegte Geselligkeit bedachte Brooke es überhaupt zwei Jahre lang mit ihm und seiner Videospielkonsole ausgehalten hat. Könnte man den beiden nur abnehmen, daß sie im Grunde zueinander passen, hätte der von ihnen veranstaltete, im Vergleich zum Vorbild geradezu zärtlich ausfallende Rosenkrieg tatsächlich tragische Züge. Denn läßt man einmal das bizarre Peripherie-Personal und die allzu abgenutzte Frage, warum er denn nicht mal mit ihr ins Ballett gehe, außen vor, stellt sich heraus, daß Regisseur Reed die Gefühle der Figuren durchaus ernstnimmt. Der Schwebezustand, der sich einstellt, sobald der Trennungswille erst ausgesprochen ist, das geheime Hoffen, daß sich doch alles wieder einrenken möge, verleiht selbst den hysterischen Szenen eine bittere Note. Und der Moment, in dem ein »Freund« den Streithähnen zum Verkauf der schicken Wohnung rät und damit das besiegelt, was beide nicht wahrhaben wollen, steht wie ein Fels in der Brandung all der zuvor und hernach bemühten Schrullen und Gemeinheiten.

Eine merkwürdige Mischung ist da entstanden, deren Humor zu vorhersehbar ist, um wirklich komisch zu sein, und die andererseits den für ein überzeugendes Drama nötigen Tiefgang nur im Ansatz besitzt. Aber immerhin schafft es der Film, die meiste Zeit zu unterhalten und niemandes Intelligenz völlig zu beleidigen. Für eine Sommerkomödie ist das doch schon mehr als man erwartet. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.
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