— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Transformers

USA 2007. R: Michael Bay. B: Roberto Orci, Alex Kurtzman. K: Mitchell Amundsen. S: Tom Muldoon, Paul Rubell. M: Steve Jablonsky. P: Dreamworks SKG, Paramount Pictures u.a. D: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Tyrese Gibson, Jon Voight u.a.
144 Min. Universal ab 1.8.07

Roboflop

Von Martin Thomson Seit einer gewissen Zeitspanne ist es unter Cineasten kein unverzeihliches Delikt mehr, einen Blockbuster anzuerkennen – wenn Spider Man oder Lord of the Rings eins bewiesen, dann, daß kommerziell zugängliche Effektspektakel persönliche Geschichten und vielschichtige Motive nicht ausschließen, so daß, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, das Popcorn-Publikum zeitweise mit der Programmkino-Zuschauerschaft einigermaßen versöhnt schien. Wen wundert's? Längst hat sich die Trennlinie zwischen Mainstream- und Independent-Kino aufgelöst, inszenieren ehemalige Low-Budget-Ikonen aufwendige Comicverfilmungen und – ja, das auch – ein Michael Bay einen Sci-Fi-Actionfilm, der bioethische Diskurse streift und dessen Humor nicht plump, sondern lakonisch und selbstironisch zur Geltung kommt. Die Rede ist von The Island, dem Einstand des Produktions-Duos Spielberg und Bay. Dieser hatte vor zwei Jahren unter der Ägide des erfolgreichen Regie-Pendlers zwischen Fantastik und Historie vorzeitig auf die Bremse seiner artifiziellen Bildästhetik getreten, die auf ihrem tragischen Tiefpunkt, unter Begleitung frenetischer Haßbekundungen seitens des Kritikerkollektivs, selbst vor der filmischen Entertainisierung Pearl Harbors keinen Halt gemacht hatte und mit The Island bestimmt keinen Meilenstein, aber zumindest ein solides Genre-Stück ablieferte, das man ihm so nicht zugetraut hätte. Nichtsdestotrotz geriet der Klon-Thriller an den Kassen zum finanziellen Mißerfolg, so daß sich ein unzweifelhaft kommerzorientierter Regisseur wie Michael Bay wohl auf seine alten Werte zurück besinnen mußte. Die Konsequenz aus dieser scheinbar unvermeidbaren Rückbesinnung ist sein neuer Film Transformers.

All jene, die Mitte der 1980er bis zu Beginn der 1990er Jahre das Kindesalter überschritten hatten, werden das futuristisch anmutende Spielzeug aus dem Hause Hasbro/TakaraTomy vermutlich nur als Vorboten einer seelenlosen Produktpalette kennengelernt haben, die damals aus High-Tech-Asien zu uns schwappte. Aber ganz so leicht ist das nicht; die Plastikfiguren boten nämlich ein simples wie innovatives Spielkonzept: Sie ließen sich entweder als Roboter oder als Fortbewegungsmittel verwenden. In ihnen kamen Persönlichkeit und Fortbewegung überein und bildeten eine fruchtbare Synthese. Vor dem Hintergrund ihrer figürlichen Erscheinung eigneten sie sich zur Auf- und Verarbeitung des Lebens- und Fernsehalltags genauso wie sie, aufgrund ihrer optionalen Auto-Gestalt, Geschwindigkeit und Status mit einschlossen. Die Transformers waren aber auch eines der ersten Action-Spielzeuge, deren Vertrieb durch die Nutzung eines breiten Netzwerks unterschiedlicher Mediensektoren angetrieben wurde: Neben einer Zeichentrickserie gab es Comic-Reihen und allerlei Videospielumsetzungen, die sich großer Beliebtheit erfreuten und den Roboterwesen vom Planeten Cybertron einen passenden Handlungsrahmen verpaßten.

Michael Bays filmische Adaption ist, inmitten des wohltuenden Hollywood-Trends zur handgemachten Action der McClanes und Rambos zurückzukehren, das offenkundigste Beispiel eines Effekte-Overkills, wie es ihn vielleicht seit Independence Day nicht mehr gegeben hat. Womit weniger deren Anzahl oder Qualität, sondern viel eher deren inflationäre und unbedachte Nutzung gemeint ist, die jede Form filmischer Substanz untergräbt und deren Anblick weder mit inszenatorischer Raffinesse eingeleitet wird noch durch handlungsbezogene Reflexion emotionale Gültigkeit erhält. Der ehemalige Werbefilmer Bay fährt zwar ein Schauwert-Gewitter auf, das seinesgleichen sucht, aber da die Grundhandlung um zwei rivalisierende Roboterrassen, die auf der Erde ihren Kampf um Gut und Böse austragen, relativ unergiebig ist und die Charaktere, wie nicht anders zu erwarten, nach bewährten Schemata funktionieren, bleibt sein Spektakel letztlich nur ein Strohfeuer. Als geradezu peinlich muten aber vor allem die Szenen an, in denen der freizügige Körper von Megan Fox wollüstig von der Kamera abgetastet wird und unerschwingliche Modelle reicher Automobilhersteller wie den Träumen eines grenzdebilen Auto-Fetischisten entsprungen scheinen. Fragwürdig gerieten Bay vor allem die Schlachtsequenzen zwischen Decepticons und Army, in denen die Nahost-Kulisse unangenehme Assoziationen zum realen Tagesgeschehen weckt – gleichwohl werden die Kämpfe so steril und unblutig dargestellt, jede Form von Brutalität so konsequent ausgeblendet, daß Transformers allzu deutlich auf die Unterstützung der US-Army hinweist, die ihm zuteil wurde.

Von feinsinnigen Zwischentönen hat Bay noch nie etwas verstanden, aber angesichts der Tatsache, daß es sich hier um die Umsetzung eines Action-Spielzeugstoffes handelt, kann das als Kritikpunkt nur schwerlich geltend gemacht werden; denn gerade in der exaltierten Veräußerung des vornehmlich männlichen Spieltriebs liegt der stimulierende Reiz großer Ballermänner, gigantischer Explosionen, geiler Karren, scharfer Weiber und gigantischer Schlachten verborgen. Indes sollte sich der Besucher dieses filmischen Kinderkarussels zwei Fragen stellen, von deren Beantwortung er den Erwerb einer Kinokarte abhängig macht: erst einmal, wie sehr er sich in der Lage sieht, sein geistiges Alter herunterzuschrauben um dem Film mit der notwendigen Faszination entgegentreten zu können und zweitens, für wie beschützenswert er seine Nostalgie im Angesicht eines ausgewachsenen Kindes erachtet, das den Spielplatz gegen den Regiestuhl getauscht hat, um freundliche Plastikfiguren aus der Kinderschublade für aufwendige Computeranimationen eines viel zu teuren Films zu mißbrauchen. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap