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Tor zum Himmel

D 2003. R,B: Veit Helmer. B: Gordan Mihic. K: Joachim Jung. S: Silke Botsch, Hansjörg Weißbrich. P: Veit-Helmer-Filmproduktion. D: Masumi Makhija, Anthony Okungbowa, Sotigui Kouyate, Burt Kwouk, Udo Kier, Michael Chinyamurindi, Hanns Zischler u.a.
90 Min. Prokino ab 18.12.03.

Länderkürzel »tv«

Von Frank Brenner Tuvalu, jene kleine Inselgruppe im Südpazifik, dürfte nur denjenigen ein Begriff sein, die wissen, daß er sich hinter dem cleveren Länderkürzel »tv« verbirgt, das sich am Ende einiger populärer Internetdomains findet. Oder denjenigen, die vor fünf Jahren Veit Helmers gleichnamigen Film gesehen haben, in dem in fantasievollen, geradezu poetischen Bildern eine dialogfreie Geschichte erzählt wurde, die dadurch eine universelle Sprache verwendete und international Festivalerfolge feierte.

Mit seinem zweiten Langfilm Tor zum Himmel versucht Helmer erneut, eine international verständliche Geschichte mit einem aus aller Herren Länder zusammengewürfeltem Ensemble zu präsentieren. Am Frankfurter Flughafen begegnen sich illegale Einwanderer, Gestrandete, zwielichtige Geschäftsleute und Menschenhändler, doch genauso heterogen wie die Besetzungsliste wirkt der Film als Ganzes, wenn er teilweise furchtbar konventionelle Hollywoodklischees bedient, sich teilweise auf übelstem Trashniveau bewegt und zwischendurch die Fans der indischen Hauptdarstellerin Masumi Makhija zufriedenstellt und zu einem Bollywood-Musical mutiert.

Helmers Ansätze, das harte Leben von Flüchtlingen und Asylsuchenden zu thematisieren, sind ja durchaus redlich. Doch der Regisseur verrennt sich dabei zusehends in platten Stereotypen und weltfremden Unwahrscheinlichkeiten. Zudem gelingt es ihm kaum, einige seiner Nebendarsteller unter Kontrolle zu halten. Vor allen Dingen Udo Kier nutzt diese Führungslosigkeit, um dem Affen gewaltig Zucker zu geben und beim Zuschauer ein stetig wachsendes Gefühl der Verärgerung hervorzurufen. Kier kann in kleinen, feinen Charakterrollen grandios sein, ohne die richtigen Regieanweisungen in großen Rollen wie hier kann er geradezu unerträglich werden. Der schwarze Peter muß freilich Veit Helmer zugeschoben werden, dem es nicht gelingt, zu einem einheitlichen Stil zu finden und dessen wenige poetische Elemente (wie der ziegenschnitzende Sotigui Kouyate) in einem Multi-Kulti-Einheitsbrei untergehen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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