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Tokyo Eyes

J/F 1998. R,B: Jean-Pierre Limosin. K: Jean-Marc Fabre. S: Danielle Anezin. M: Xavier Jamaux. D: Shinji Takeda, Hinano Yoshikawa, Tetta Sugimoto, Takeshi Kitano u.a.
90 Min. Pegasos ab 26.8.99
Von Alexandra Seitz Ein junger Mann mit Flaschenbodenbrillengläsern und Pistole macht Tokyo unsicher. Die, auf die er mit letzterer schießt, scheinen ihr Überleben den ersteren zu verdanken. Hier hat ganz klar ein Versager den Finger am Abzug, unfähig, selbst aus kürzester Distanz die eindeutig anvisierten Opfer zu treffen. Der Polizei ist das egal, die sieht lediglich den Vorsatz und jagt einen entschlossenen Killer. Hanani ist 17 Jahre alt und die Schwester eines Polizisten. Als sie den Pistolero in der U-Bahn erkennt, heftet sie sich an seine Fersen. Zwischen die Fronten gerät sie eher aus Langeweile, sie wittert ein Abenteuer, will zunächst vielleicht ihrem Bruder helfen, wird dann aber vom detektivischen Unternehmen fortgerissen und schließlich sogar von ihren zart für den vermeintlichen Verbrecher entstehenden Gefühlen. Zwischen den beiden hinreißenden Hauptfiguren entwickelt sich eine zärtliche Liebesgeschichte; in kleinen Gesten mitgeteilt, die so frisch, neu und unverstellt wirken, daß ihr langes Fehlen auf der Leinwand sofort und umstandslos beklagt werden muß.

Jean-Pierre Limosin, einigen vielleicht aufgrund seiner Dokumentarfilme ein Begriff, inszeniert Tokyo Eyes schwungvoll (ein übriges tut da die dynamisch die Handlung unterstützende Musik Xavier Jamaux') und gleichzeitig zurückhaltend. Die mitunter schroffe Verschlossenheit japanischer Filme mildert der Franzose glücklich zu einer gutgelaunten und zärtlichen Rätselhaftigkeit, die selbst am Ende, nachdem Takeshi Kitano als verwirrter und verwirrender Unglücksbote seinen Gastauftritt hatte, die Hoffnung nicht aufgibt. Zur gelungenen Darstellung dieser schwerelosen Traumwelt, in der kaum etwas so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, mag der Umstand beigetragen haben, daß Jean-Marc Fabre bei Tokyo Eyes erstmals mit der Steadicam arbeitete. Die Freiheit liegt im entfesselten Blick. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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