— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Tödlicher Umweg

D/A/GB 2004. R: Curt Faudon. B: Franz Berner. K: Johann Selikovsky. S: Daniela Padalewski, Gisela Haller. M: Gerd Schuller. P: Fieber.Film, Epo-Film, Towers of London. D: Ken Duken, Eva Haßmann, Sebastian Koch, August Schmölzer u.a.
89 Min. Stardust ab 29.4.04

Nicht zu glauben

Von Oliver Baumgarten Zu den treffsichersten Besetzungen im deutschen Fernsehfilm der letzten Dekade gehört Sebastian Kochs Verkörperung von Andreas Baader in Heinrich Breloers Todesspiel. Kochs kraftvolle Ausstrahlung in der Rolle des RAF-Terroristen als Mischung aus heroischem Kindskopf mit dämonischem Pathos und der Melancholie eines Verlierertypen ließ für Momente allen Staub vom Bildschirm blasen. Vier Jahre später, wieder bei Breloer, gab er einen imposanten Klaus Mann: Dieses Gesicht, so drängt es dem Betrachter auf, gehört ins Kino, und zwar bevor es von den zahllosen TV-Mehrteilern und Event-Movies zur grauen Maske deformiert und seiner Glaubwürdigkeit beraubt wird.

Gut, im Kino ist er jetzt. Die Rolle allerdings und noch mehr der Film, den er sich ausgesucht hat, bietet rein gar nichts von der Ambivalenz, die seine Arbeit auszeichnet und die selbst noch einen reaktionären Stauffenberg als ansehbar gereichen ließ. Kochs platte Figur und Darstellung eines sensationsgeilen TV-Produzenten in Tödlicher Umweg hätte nicht absurder ausfallen können, wenn die Rolle an Peter Maffay gegangen wäre. Ein bedauerliches, ein großes Mißverständnis.

Dabei hätte er gewarnt sein können, so wie mancher Zuschauer schon beim Vorspann das erste Mal stutzen dürfte. Koproduzent Harry Alan Towers, auch bekannt als Peter Welbeck, steht nicht gerade für den gepflegten Qualitätsfilm: Seine Firma Towers of London überschüttete seit den 60ern den europäischen Filmmarkt mit biederer und meist furchtbar ernst gemeinter Trash-Ware wie Dr. Fu Man Chu oder Platoon Leader. Bedienten diese C-Filme stets bemüht einen aktuellen und kurzlebigen Massengeschmack, so bleibt die Motivation für Tödlicher Umweg vollends unklar.

Hauptfigur Adrian ist junger Schauspieler und auf dem Weg zu einem Casting nach München. Unterwegs passieren ihm allerlei seltsame Dinge, was damit endet, daß er in einem Bergdorf hängen bleibt und vom Dorfsheriff hartnäckig als Mörder drangsaliert und festgehalten wird. Seinen Casting-Termin verpaßt er leider, dafür wird er in derart abstruse Vorkommnisse verwickelt, daß er am Ende doch noch die Rolle seines Lebens gespielt haben wird.

Der Film hat exakt eine Pointe vorzuweisen und die will ich ihm durch exakte Ausbreitung der wirren Handlung nicht auch noch nehmen – deswegen sei sie hier denjenigen verschwiegen, die nach 10 Minuten nicht ohnehin selbst drauf kommen. Aber eine einzige Idee für einen abendfüllenden Film? Das geht selten gut. Und hier scheitert's mit Pauken und Trompeten, schief vorgetragen von allen Beteiligten und gipfelnd in einer Unglaubwürdigkeit und Inkonsequenz, die ihresgleichen sucht. Die absurde Story mal außen vorgelassen, scheitert das Kinodebüt von Curt Faudon sowohl ästhetisch als auch schauspielerisch an sämtlichen Anforderungen, die das Thriller-Genre stellt. Atmosphäre, Emotionen, Identifikation – alles, was Spannung erzeugen könnte, wird nur vorgegaukelt und im Bild behauptet, glaubhaft ist es keine Sekunde: nicht die Tränen von Ken Duken, nicht der Ort der Handlung, nicht die Motivation des Bösen und erst recht nicht die Moral von der Geschicht'. Also alles in allem: Kaum zu glauben. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap