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Ein todsicheres Geschäft

D 2000. R,B: Matthias X. Oberg. B: Tim Dabringhaus. K: Martin Kukula. S: Barbara Gies, Mona Bräuer. M: Niki Reiser. P: Claussen & Wöbke. D: Thomas Schmauser, Ben Gazzara, Michael Fitzgerald, Sally Dexter u.a.
94 Min. Buena Vista ab 8.2.01
Von Oliver Baumgarten Unter der Milchstraße war ein herrlich bizarres Werk, das M.X. Oberg 1995 mit somnambuler Magie ausstattete und in dem er seinen eigenwilligen Fokus auf einen Schlafwagenschaffner richtete. Dieser befand sich stets mal jenseits, mal diesseits der Schwelle zum Nickerchen, ein Zustand, der Obergs visuelles Konzept in konsequenter Manier bestimmte. Wer diese Bildstruktur fortan als Oberg-Stil ausgemacht glaubte, der hat ihn wahrlich unterschätzt.

Ein todsicheres Geschäft konzentriert sich auf das Bestattungsgewerbe, und folglich geht es wesentlich morbider zu. Einzig der von Thomas Schmauser dargestellte Jungunternehmer Hugo ist blühendes Leben inmitten schroffer walisischer Küstenlandschaft und einem Dörfchen, das man mit Fug und Recht als »tot« bezeichnen darf. Dort aber eröffnet der junge Deutsche sein erstes Bestattungsunternehmen, was die alteingesessene Dorfkonkurrenz zu allerlei fiesem Mobbing veranlaßt. Einzig der abgehalfterte Jazzer Jim kümmert sich wie ein Vater um ihn, kauft ihm einen Leichenwagen und trägt für die erste Kundschaft Sorge.

Der erstklassige technische Stab um Oberg schafft eine düster-schrullige Ausstrahlung, die sich zwischen den Zeilen vehement gegen eine Gewöhnlichkeit deutschen Filmguts sträubt. Oberg ist in diesem Sinne ein wahrer Independent und bei Claussen & Wöbke bestens aufgehoben, die nach dem Ausverkauf von X-Filme nun die deutsche Spitze unabhängigen Produzierens beanspruchen dürfen. Todsicher ein Film, der polarisiert – und schon deshalb sich lohnt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
© 2012, Schnitt Online

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