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To Die For

USA 1995. R: Gus van Sant. B: Buck Henry. K: Eric Edwards. M: Danny Elfman. D: Nicole Kidman, Matt Dillon, Joaquin Phoenix, Alison Folland u.a.
106 Min. ab 14.12.95
Von Anke Teuber If you're growing up in a small town/You say no one famous ever came from here…
(Lou Reed / John Cale)

Suzanne Stone will sich mit solch einem Statement nicht abfinden. Sie will um jeden Preis raus aus dem Kleinstadtmief und rein ins liebste Kind der US-Amerikaner: das Fernsehen. Mit der richtigen Portion Naivität und Aufdringlichkeit gelingt es ihr, sich beim Provinzsender als Wetterfee zu prostituieren. Doch das reicht der mediengeilen Blonden noch lange nicht.

Gus van Sant, Regisseur mit Independent-Gütesiegel, gebeutelt vom Mißerfolg seines verkannten Even Cowgirls get the Blues, widmet sich erneut dem für uns Ur-Amerikanischen. Welche Abgründe verbergen diese föngewellten Replikanten, die mit geklontem Lächeln ihre kleine Personality-Show moderieren? Leichen, natürlich, denn auch die bringen zur Not Popularität.

Wie mehrere Off-Hollywood-Filme der letzten Jahre bedient sich To Die For jenes pseudo-dokumentarischen Stils, der die Charaktere selbst zu Wort kommen läßt. Wenn Suzanne mit patentestem Kameralächeln ihre böse kleine Geschichte erzählt, wird die Leinwand zum überdimensionalen Götzen Fernseher, und dieses Medium erscheint so hohl wie Suzannes Profilierungssucht.

Störend ist es, daß die Story sehr durchsichtig ist, auch wenn van Sant stilsicher die zuckersüße Oberfläche von Familien- und Provinzidylle mit tiefschwarzem Humor wegätzt. Die Schauspieler allerdings sind durchweg klasse. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #01.
© 2012, Schnitt Online

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