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Titan A.E.

USA 2000. R: Don Bluth, Gary Goldman. B: Ben Edlund, John August, Joss Whedon. S: Bob Bender, Fiona Trayler. M: Graeme Revell. P: Fox.
94 Min. Fox ab 10.8.00
Von Manuela Brunner Die Welt ist wirklich untergegangen. Zumindest die Filmwelt. Da das Jahr 2000 gekommen ist, der große Knall aber nicht, ist es nach all den Armageddons und End of Days an der Zeit, die Erde neu zu erschaffen. Das ist spektakulär anzusehen, wie Don Bluth in Titan A.E. nicht nur eine neue Erde, sondern ein ganzes Universum erschafft.

Was heißt hier Don Bluth? Unzählige Computer und Menschen davor haben Planeten entworfen mit rotglühenden Wasserstoffbäumen, ein Eis-Asteroidenfeld, Sternennebel und Galaxien, und das nur, damit sie dann ein Raumschiff hindurchflitzen lassen können, das sich Wettrennen mit fliegenden, durchsichtigen Geistern oder bösen blau-leuchtenden Feinden liefert. Die menschlichen Figuren sind allerdings in klassischer 2D-Animation erstellt, was auf den ersten Blick im Kontrast zu den 3D-Räumen, durch die sie sich bewegen, befremdlich wirkt.

Manga-Fans, die ihr den Trailer seht, seid vorgewarnt: Titan A.E. versucht zwar, sich einen asiatischen Touch zu geben, doch ist der Film in Wirklichkeit ein klassischer, sehr amerikanischer Science-Fiction-Film. Von dieser Warte aus gesehen, hat Don Bluth mit dem Einsatz klassischen Zeichentricks bei den Figuren eine inhaltliche Eigenheit des Science-Fiction-Genres folgerichtig visualisiert: Sci-Fi-Charaktere sind zweidimensional. Jugendlich-rebellische Helden, tollkühne Piloten und dann immer diese Teufelsmechaniker, die jeden Toaster zum Anti-Gravitations-Emulator umgebaut kriegen.

Zurück zu den Raumschiffen, denn um die geht es ja. Das Raumschiff Titan ist das Ergebnis des letzten großen Forschungsprojektes der Menschheit, bevor eine bösartige fremde Rasse die Erde in die Luft jagte und die wenigen überlebenden Menschen zu vagabundierenden Hilfsarbeitern machte. Der Sohn des Titan-Projektleiters macht sich Jahre nach der Zerstörung auf die Suche nach dem Schiff, das sich als eine futuristische Arche Noah mit einer Gendatenbank aller Tiere der Erde entpuppt, mehr noch: als ein Instrument, mit dem sich ein neuer erdenähnlicher Planet erschaffen läßt.

Titan A.E. (»A.E.« ist übrigens das Überbleibsel des Arbeitstitels »After Earth«) ist aber neben seiner aufsehenerregenden Optik ein vielsagendes Zeugnis des neuen Nuller-Jahre-Optimismus: Wir haben den Millenniumwechsel überstanden. Wir beherrschen die Technik, nicht sie uns. Noch können wir neue Planeten nur im Computer erschaffen, aber vielleicht schicken auch wir bald die ersten Siedler nach »Earth 2« oder »Planet Bob«. 1970-01-01 01:00
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