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Tim Burton's Corpse Bride

USA 2005. R: Mike Johnson, Tim Burton. B: John August, Caroline Thompson, Pamela Pettler. K: Pete Kozachik. S: Jonathan Lucas, Chris Lebenzon. M: Danny Elfman. P: Tim Burton, Laika Entertainment.
77 Min. Warner ab 3.11.05

Puppengrausen

Von Melanie Balz Eine lange Zeit hat Tim Burton nach einer adäquaten Geschichte gesucht, die seinen Filmen Edward Scissorhands, Beetlejuice und dem Marionetten-Märchen The Nightmare before Christmas das Wasser reichen kann und der »Düster-Romantik« seiner Filmtradition gerecht wird. Er fand sie in einem russischen Horrormärchen.

Zwei junge Menschen – Victor und Victoria – sollen vermählt werden, obwohl sie sich nicht einmal kennen. So finden sich die Familien am Abend vor der geplanten Hochzeit zusammen, um Polterabend und die Generalprobe der Ringübergabe zu begehen, welche in einer kompletten Katastrophe endet, ist Victor doch nicht in der Lage, seinen Trauspruch fehlerfrei vorzubringen. Er geht in den nahegelegenen Wald und spielt dort die Trauszene nach. Dabei steckt er den Ring, den er noch immer bei sich trägt, liebevoll auf eine verknöcherte Baumwurzel. Was aber wie eine Wurzel anmutete, stellt sich tatsächlich als Finger einer schon recht verwesten Frauenleiche – der Namensgeberin des Films – heraus, die sich nun aus dem Waldboden erhebt und ihren neu errungenen Bräutigam verfolgt, um ihn in die Unterwelt mitzunehmen. Dieser flüchtet, will er doch Victoria heiraten, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht.

Die Helden in Corpse Bride sind wieder Puppen, welche so detailverliebt ausgearbeitet sind, daß man innerhalb kürzester Zeit ihre Künstlichkeit vergißt. Vielleicht liegt das an der Ähnlichkeit mancher Charaktere zu ihren Sprechern, vielleicht daran, daß die Marionettenmeister Mackinnon und Saunders mit dem Werkstoff Silikon wahre Kunststücke vollbracht haben. Auch daß die Figuren richtige Keidung aus verschiedenen Stoffen tragen, trägt dazu bei. Durch ihre Dreidimensionalität erlangen die Protagonisten einen ganz klaren Vorteil gegenüber einfachen Zeichentrickfiguren. Mit alt bewährter Stop-Motion-Technik à la Ray Harryhausen erweckten Burton und Johnson die Puppen, unterstützt durch moderne Computertechnik, zum Leben. Ausgefeilt und somit besonders eindrucksvoll ist aber vor allem ihre differenzierte Mimik. Wurden bei The Nightmare before Christmas für die verschiedenen Gesichtsausdrücke noch extra Ersatzköpfe angefertigt, kann die neue Generation der unechten Darsteller durch einen besonderen Getriebemechanismus ihre »Gesichtsmuskulatur« bewegen, was zu größerer Authentizität führt. Dadurch, daß es sich dennoch erkennbar um Puppen handelt, bleibt der Märchencharakter perfekt erhalten, und auch die Dramatik der Horrorelemente wird stark abgemildert; eine bereits halb verweste Braut, der man durch die Wange hindurch bis auf die Zähne sehen kann und der ständig ein Auge aus der Höhle fällt, verliert dadurch elementar an Schrecklichkeit.

Der Regisseur zeigt sich auch hier wieder schwarzhumorig. Dabei entwickelt Burton einmal mehr seine ganz eigene Sicht auf Gruseliges und Ekeliges, so daß sich die Totenwelt in diesem Film allemal freundlicher als die der Lebenden gestaltet; denn so trist und traurig sich die Settings der viktorianisch-strengen Oberwelt, in der alles in Grau-Braun-Tönen gehalten ist, gestaltet, so bunt und fröhlich ist die Unterwelt, in der getanzt, getrunken und gelacht wird. Untermalt wird dies durch die Musik; tragende musische Klänge in der Oberwelt, 30er Jahre Jazz-Rhythmen unter der Erde.
Alle Zutaten dieses Films ergänzen sich mithin zu einer gelungenen, musicalangelehnten Gesamtkomposition, welche gleichermaßen zum Lachen, Schaudern und Mitfühlen einlädt und wunderbar mit den Emotionen der Zuschauer spielt. 1970-01-01 01:00
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