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Till Eulenspiegel

D/GB/B 2003. R,B: Eberhard Junkersdorf. B: Christopher Vogler, Peter Carpentier. S: Uli Schön. P: Munich Animation, De Familie Jansen.
84 Min. Solo Film ab 25.9.03

Kurtzweil nur für Kinder

Von Daniel Albers Ein Schalk, wie er im Buche steht, der Till Eulenspiegel. Spätestens seit Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden immer wieder literarische Zeugnisse, die über das Leben des mutmaßlich im 14. Jahrhundert im schleswig-holsteinischen Mölln sich herumtreibenden Spaßmachers berichten. Seine Scherze, die sich hauptsächlich gegen die oft überheblichen städtischen Handwerker richteten, beruhten im Allgemeinen auf einer Masche, die aus heutiger wie damaliger Sicht für kindisch gehalten werden kann, bei genauerem Hinsehen jedoch sehr wohl dazu geeignet war, gesellschaftliche Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten anzuprangern sowie zur Reflexion über sprachliche Ausdrucksformen anzuregen: Er befolgte Anweisungen, die ihm gegeben wurden, allzu wörtlich und trieb seine »Opfer« damit zur Weißglut.

Das ist die Vorlage, die Eberhard Junkersdorf und seinen Co-Autoren für ihre Aktualisierung im Zeichentrickgewand zur Verfügung stand. Leider darf der geneigte Kinogänger nun nicht zu viel erwarten, was die Übernahme der verschmitzten Hintergründigkeit der originalen Eulenspiegel-Geschichten anbelangt. Stattdessen wurde eine ziemlich laue und abgelutschte Story um die Hauptfigur herum gestrickt, in der der Schalk seinen plötzlich verschwundenen Großvater, den Zauberer Marcus, retten muß, indem er in guter alter PC-Adventure-Manier drei Aufgaben zu erfüllen hat. Gestellt werden ihm diese von einem in Tills Spiegel lebenden Geist, stimmlich verkörpert von Rick Kavanian, der so ziemlich die einzigen humoristischen Akzente setzt, die auch bei über zwölf Jahre alten Besuchern wohl als solche ankommen werden. Sein Bullyparade-Kollege Christian Tramitz läßt dagegen als näselnde Eule, welche Eulenspiegels ständiger Begleiter ist, die Befürchtung aufkommen, deutsche Komödienproduzenten könnten sich inzwischen ohne mindestens eine tuntige Figur – egal wie deplaziert sie auch sein mag – keinen Publikumshit mehr vorstellen.

Technisch alles andere als um Eigenständigkeit bemüht, sondern eher als bemühte Disney-Imitation daherkommend, bezieht der Film seinen Humor größtenteils aus kindgerechtem Slapstick, wohingegen er auf Spannung gleich ganz verzichtet und stattdessen alle Situationen, die eine solche versprechen, viel zu schnell auflöst.

Alles zusammengenommen wäre ja noch nicht einmal weiter tragisch, wenn denn wenigstens, wie in den meisten Disney-Zeichentrickfilmen, die Hauptfigur für Sympathiepunkte sorgte. Indem jedoch der britische Nullkomiker Lee Evans (Grabgeflüster) als Vorlage für Tills Gestik und Bewegungen ausgewählt wurde, vergaben Junkersdorf und Co. diesbezüglich auch die Chancen des Films auf internationale Konkurrenzfähigkeit. So bleibt am Ende nur zu resümieren, daß es zumindest einer ganzen Menge hintersinniger, vom Original ja vorgezeichneter Sprachspiele bedurft hätte, um aus Till Eulenspiegel nicht nur einen reinen Kinderfilm, sondern auch für Erwachsene gelungene »Kurtzweil« zu machen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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