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Tigerstreifenbaby wartet auf Tarzan

D 1997. R,B: Rudolf Thome. K: Carsten Thiele. S: Dörte Völz-Mammarella. M: Wolfgang Böhmer. D: Herbert Fritsch, Cora Frost, Valeska Hanel, Irm Hermann, Rüdiger Vogler u.a.
118 Min. Prometheus ab 16.7.98
Von Oliver Baumgarten Dieser Film verlängert Ihr Leben! Zumindest in der Empfindung. Rudolf Thomes neuer Film ist irgendwie einer über die Zeit: Die Hauptfigur kommt aus der Zukunft, Plot und Optik aus der Vergangenheit, und er ist zu lang. Gehörte Thome in den 60ern noch zu jenen tapferen Filmemachern, die ihren kopflastigen und statischen Autorenkollegen Filmisches entgegenzusetzen hatten und damit moderner waren als so mancher Neuer Deutscher Mitstreiter, scheint er jetzt irgendwie in einer Zeitschleife festzusitzen.

Frank Mackay hingegen reist ganz bewußt in die Vergangenheit, um im heutigen Berlin Laura Luna zu suchen, deren interessanteste Eigenschaft in diesem Zusammenhang darin besteht, eine Frau zu sein. Schließlich gibt es in Mackays 5. Jahrtausend keine Frauen mehr, und Männer sind unsterblich. So verbringt er mit Laura, der kurzentschlossen hinzugestoßenen Luise und einer Schlange eine paradiesische Zeit in einem idyllischen Sommerhäuschen.

Wenn schon der Legende nach Zwei aus dem Paradies geflogen sind, so dürfte es ja wohl Dreien nicht viel besser ergehen, dachte sich Rudolf Thome und kreierte ein blutiges Ende. Ein solches hatte schon vor 30 Jahren Thomes legendäre Rote Sonne. Formulierte dieser Kritik an einem Zeitgeist, dem er entwuchs und von dem er lebte, steht Tigerstreifenbaby mit seinem 2000 Jahre alten, auf Sexentzug stehenden Zeitenwanderer recht geistlos da. Gestelzte Dialoge, ein enttäuschend hölzerner Herbert Fritsch, blöde Zirkusnummern (Schlange frißt Maus) und ein erschreckend konventioneller TV-Look entziehen Thomes 60er-Revival-Beitrag jeglichen Genußfaktor. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #11.
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