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Three Seasons

USA 1998. R,B: Tony Bui. K: Lisa Rinzler. S: Keith Reamer. M: Richard Horowitz. P: Jason Kliot, Joana Vicente u.a. D: Don Duong, Nguyen Ngoc Hiep, Harvey Keitel u.a.
113 Min. Arthaus ab 27.4.00
Von Lisa Schneider 25 Jahre nach Ende des Krieges zeichnet ein Amerikaner vietnamesischer Herkunft das Porträt einer Stadt im Wandel: Saigon. Im Mittelpunkt seines Gesellschaftspanoramas stehen fünf Schicksale, die um den selben Konflikt kreisen: den Widerstreit zwischen asiatischer Tradition und einer Moderne, die den Großteil der Bevölkerung zugleich ausschließt und dennoch zwingt, an ihr teilzuhaben.

Tony Bui stilisiert die Natur zum Symbol der wahren Seele Vietnams und zeigt ein Land, dessen Reichtum in seinem kulturellen Erbe begründet liegt, einem Erbe, das in der Natur tief verwurzelt ist. Da ist Kien An, die vom Verkauf ihrer Lotusblumen lebt. Gegenüber den begehrten parfümierten Plastikimitaten hat sie aber das Nachsehen. Oder die Großstadthure Lan. Ihre Läuterung besiegelt schließlich ein Bad in einem roten Blütenregen, denn sie begreift endlich, daß Glück nur dann in erreichbarer Nähe liegt, wenn sie ihre Sehnsucht nicht mehr nach Westen schweifen läßt.

An sein westliches Publikum wendet sich hingegen der Regisseur. Und leider manches Mal mit Bildern, die allzu anklagend und vor allem durchschaubar sind: So zeigen sie den vielleicht zehnjährigen Straßenjungen Woody von Touristen und Geschäftsleuten unbeachtet in der Lobby eines Luxushotels, wobei die Kamera schließlich noch auf einen funkelnden Kronleuchter schwenkt, den das mitleiderregende Kind fasziniert bestaunt. Andererseits gibt es Momente, in denen Bui wiederum der Deutlichkeit des Kamerablicks nicht zu vertrauen scheint und seine Figuren sprechen läßt, wo es längst nichts mehr zu sagen gibt.

Three Seasons ist das Kinodebüt eines engagierten jungen Regisseurs und zugleich der erste amerikanische Film, für den ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende im sozialistischen Vietnam eine Drehgenehmigung erteilt wurde. Bedauerlich nur, daß ihm so manches Mal ein wenig fernöstliche Zurückhaltung besser gestanden hätte. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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