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The Woodsman – Kann man etwas Schlimmeres tun?

The Woodsman. USA 2004. R,B: Nicole Kassell. B: Steven Fechter. K: Xavier Pérez Grobet. S: Brian A. Kates, Lisa Fruchtman. M: Nathan Larson. P: Dash Films, Lee Daniels Entertainment. D: Kevin Bacon, Kyra Sedgwick, Mos Def, Benjamin Bratt, David Alan Grier, Eve u.a.
87 Min. Tobis ab 5.5.05

Eine Frage der Zeit

Von Frank Brenner Seit Anbeginn der Filmgeschichte hat es Regisseure dazu gedrängt, Theaterstücke für die Leinwand zu adaptieren. Die ersten dieser Versuche konnten nicht viel mehr bieten, als tatsächlich abgefilmtes Bühnenprogramm. Beim Aufkommen des Fernsehens wiederholte sich schließlich dieser Prozeß. Und auch heute noch, in einer Zeit, in der Filmemacher längst ihre eigene Sprache entdeckt haben und genuin filmische Werke für die Leinwand realisieren, findet man immer wieder Filme im Kino, die auf Bühnenstücken basieren und denen man dies überdeutlich ansieht. Nicole Kassell hat für ihr Spielfilmdebüt das gleichnamige Theaterstück von Steven Fechter für die Leinwand adaptiert, und daß ihr dies ungleich besser als manch einem ihrer Kollegen gelungen ist, beweist nicht zuletzt ihre Auszeichnung mit dem Slamdance Screenplay Award, den sie 2001 noch vor der Realisation dieses Filmes entgegen nehmen durfte.

Walter tritt eine Stelle in einem Sägewerk an, nachdem er die zwölf Jahre zuvor in einem Gefängnis eingesessen hatte. Der schweigsame Mann weckt das Interesse von gleich zwei weiblichen Mitarbeiterinnen, gibt seine dunkle Vergangenheit aber nur widerwillig einer der beiden preis. Sein Vergehen bestand in der Belästigung zwölfjähriger Mädchen, Walter ist nach wie vor in Therapie und steht unter ständiger Kontrolle durch Sergeant Lucas, der dem labilen Mann jederzeit einen Rückfall zutrauen würde. Vickie ist ihrerseits eine Außenseiterin, der es gelingt, die harte Schale Walters zu brechen. Doch ist er mittlerweile wirklich von seinen widernatürlichen Gefühlen geheilt?

Zentrales Moment in Steven Fechters Bühnenstück ist die Bedeutung der Zeit. Denn Walter hat trotz der bereits verstrichenen zwölf Jahre weiterhin das Stigma eines Sexualverbrechers zu tragen. Dies spiegelt sich im Verhalten seiner eigenen Schwester ihm gegenüber wider, das zeigt sich in Walters eigener unverarbeiteter Vergangenheit und das wird sich im weiteren Handlungsverlauf auch in den Verhaltensweisen seiner Kollegen manifestieren, wenn diese durch die Recherchen der abgewiesenen Kollegin ebenfalls hinter die traurige Wahrheit kommen. Nicole Kassell hat den Umgang mit der Zeit auch auf der stilistischen Ebene ihres Filmes aufgegriffen. Wie bereits Nicolas Roeg in seiner Daphne-Du-Maurier-Adaption Wenn die Gondeln Trauer tragen hat sie einzelne Szenen kunstvoll ineinander verwoben. Mit Hilfe der Parallelmontage wird so deutlich, daß unsere Vergangenheit, aber auch unsere Zukunft stets Teil unserer Gegenwart ist. Mit solchen visuellen Spielereien grenzt sich Kassell von der Struktur der Vorlage ab und schafft ein eigenständiges, nicht zuletzt auch dank herausragender Darstellerleistungen überzeugendes Werk. 1970-01-01 01:00
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