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The Time Machine

The Time Machine. USA 2001. R: Simon Wells. B: John Logan. K: Donald M. McAlpine. S: Wayne Wahrman. M: Klaus Badelt. P: Warner Bros., DreamWorks. D: Guy Pearce, Samantha Mumba, Mark Addy, Orlando Jones, Jeremy Irons, Alan Young u.a.
96 Min. Warner Bros. ab 21.3.02

Bildgewaltige Science-Fiction

Von Frank Brenner Immer dann, wenn einem etwas widerfährt, das man gerne ungeschehen machen würde, wenn man einen unwiederbringlichen Verlust erleidet, wünscht man sich, man könnte die Zeit zurückdrehen und regulierend in das bereits Geschehene eingreifen. Ein Traum, den H.G. Wells bereits 1895 in seinem mittlerweile klassischen ersten Science-Fiction-Roman »Die Zeitmaschine« Gestalt annehmen ließ.

Die Visionen von Wells haben wie die von Jules Verne schon immer auch die Phantasie von Filmemachern angeregt. Eine erste Verfilmung seines Stoffes entstand 1960 unter der Regie des talentierten Trickspezialisten George Pal. Diese Neuverfilmung ist natürlich, was die Spezialeffekte anbelangt, dem Stand der Zeit angepaßt, strotzt aber auch von Verweisen auf die erste Adaption. Regisseur Simon Wells' Name verpflichtet aber ebenso – er ist der Urenkel des Romanciers aus dem 19. Jahrhundert, und allein schon deswegen bemüht, auch die Originalvorlage nicht aus den Augen zu verlieren.

Das Ergebnis kann sich auf der optischen Ebene im wahrsten Sinne des Wortes durchaus sehen lassen. Mit großem Aufwand haben die Production Designer ihren Ideen freien Lauf gelassen, um das 19., das 21. und das, ähh, 8000. Jahrhundert eindrucksvoll Gestalt annehmen zu lassen. Was da an digitalen Welten von den vereinten Programmierprofis von Digital Domain, Industrial, Light and Magic und Stan Winston Studios kreiert wurde, erinnert mehrfach an Peter Jacksons Lord of the Rings-Verfilmung. Nicht nur, daß die Felswohnungen der Eloi an Elronds Elfenreich gemahnen, auch die Morlocks in ihren unterirdischen Katakomben haben Ähnlichkeit mit den Orks und Uruk-hai. Da es zu einer recht hohen Zielgruppenüberschneidung der beiden Filme kommen dürfte, ist der Erfolg von The Time Machine eigentlich schon vorprogrammiert.

Doch trotz seiner literarisch ebenfalls hochwertigen Vorlage hat Wells' Film eklatante Nachteile, die auch die brillante Optik schwerlich kaschieren kann. Seit der Roman geschrieben wurde, sind über einhundert Jahre vergangen. Errungenschaften, die Wells sr. nicht vorausahnen konnte, dem Kinopublikum von heute aber vertraut sind, mußten zwangsläufig ins Drehbuch einfließen. Bei diesen Modernisierungen sind aber die meisten Patzer unterlaufen: grobe Unwahrscheinlichkeiten, auf bloße Effekte und deren prahlerische Präsentation angelegte Gimmicks, die den denkenden Zuschauer eher verärgern als unterhalten. Vom imposanten, aber völlig lächerlichen Showdown ganz zu schweigen. 1970-01-01 01:00
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